Beim vorliegenden Beitrag handelt es sich um „Bandwissen“ in einer etwas breiter angelegten Form, und zwar in zwei Teilen.
Im ersten Teil des Beitrags „Bandwissen – ein Feature der Münchner Band „KissMan“ haben wir über die Newcomer-Band KissMan und ihre ersten Auftritte berichtet, so insbesondere auch bei „KUKI Your Stage!“ im Bombig Bar & Garage.
Hier nun:
Teil 2

Mit Sabrina Kisslinger, der Band-Leaderin von KissMan und zugleich Namensgeberin (zusammen mit dem Leadgitarristen Michael Sachmann), bin ich seit unserem Kennenlernen in regelmäßigem Austausch, und so verfolge ich aufmerksam die weitere Entwicklung der aufstrebenden Formation. Interessant für die Leserschaft von KUKI Express und vor allem andere Newcomer-Bands sind sicherlich die zentralen Aspekte Technik, Booking und Marketing. Hierzu habe ich mit Sabrina jüngst ein ausführliches und zudem recht fröhliches Interview geführt.
1. Entree
Hallo Sabrina, prima, dass wir uns zum Interview treffen! Für die Leserschaft als Hintergrundinformation eine Entree-Frage: Wie lange gibt es eure Band schon, was war die Vorgeschichte?
Hey Joe! Vielen Dank für die Einladung und schön, dass wir uns wieder sehen! Du bist ja direkt unser Pressesprecher geworden (zwinkert). Uns gibt es in dieser Formation tatsächlich erst seit November 2024, wir kennen uns aber schon mehrere Jahre aus anderen Bands. Mit Michael und dem Drummer Sebastian habe ich einige Jahre in der 80s-Cover-Rock-Band Fursty Rocks gespielt, damals noch als Bassistin. Mit Jenfry spielte ich bei der Hardrockband KissKat. Beide Formationen gibt es mittlerweile nicht mehr, aber dafür KissMan (lacht). Zur Gründung kam es wegen meines Bruders: Er ist der Organisator von Europas größtem Sprintervan-Festival und hat mich letztes Jahr wiederholt gefragt „Schwester, magst nicht spielen? Es muss aber unplugged sein“. Und da sich gerade die bisherigen Bands aufgelöst hatten, habe ich Michael, Sebastian und Jenfry kurzerhand angerufen und gefragt „Hey, habt ihr Bock? Gig steht, 1. Mai, 3 Stunden, unplugged!“. Alle haben sofort „ja“ gesagt, und wir merkten, dass das richtig gut läuft und harmoniert. Dann haben wir beschlossen, nicht nur unplugged, sondern auch mit MEHR POWER – wie Tim Taylor in „Hör mal wer da hämmert“ so schön sagt – das Programm umzusetzen. Im Endeffekt gibt es uns noch nicht lange, da ich aber alle Musiker schon kannte, war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das musikalisch wie menschlich passt. Und die Intuition hat das auch bestätigt. Bitte entschuldige die lange Geschichte, aber ich wundere mich selbst ab und zu noch, dass das alles so geklappt hat, und ich freu mich wahnsinnig, dass die Band so klasse geworden ist. Ich habe schon viele Bands gegründet und auch wieder aufgelöst, weil es entweder menschlich oder musikalisch nicht mehr gepasst hat und KissMan ist im Moment wie ein Jackpot für mich und macht mich und auch alle „meiner“ Jungs total glücklich.
2. KissMan-Technik

Nun kommen wir zum Thema Technik! Die berühmten und teuren Mesa-Boogie- und ENGL-Amps machen – neben dem präzisen Auf-den-Punkt-Spielen – viel von eurem kraftvollen Sound aus, gibt es dazu einen Hintergrund?
Ja, in der Tat gibt es dazu einen Hintergrund. Freut mich sehr, dass dir das auffällt! Wir sind der Überzeugung, dass der Klang und Sound einer Band wichtig sind und man sich als Band auch damit ein Alleinstellungsmerkmal baut. Wir haben ja alle angefangen, ein Instrument zu spielen, weil uns der Klang fasziniert hat – an der Gitarre Joe Perry, Michael Schenker, am Bass F, an den Drums Thomas Lang und an den Vocals Kevin Cronin, Bryan Adams, Meat Loaf – um nur wenige zu nennen. Mittlerweile gibt es ja viele und auch gute digitale Lösungen, aber der Klang basiert halt auf einer Sinuskurve und die kann digital mit 0 und 1 nicht genauso abgebildet werden. Schlussendlich kommt es immer auf die Art der Musik an, aber wir sind eine AOR-Rockband und unsere Helden standen und stehen mit Fullstacks und Monitoren auf der Bühne. Das Gefühl wollen wir einerseits haben und – ganz ehrlich – wir wollen unser Equipment natürlich auch nutzen.
Also die teuren analogen Röhren-Amps! Was gibt es dazu zu sagen?
Es ist uns wichtig, dass der Sound von der Bühne kommt, wir haben keine „silent stage“. Was noch benötigt wird, fährt der Mischer über die PA dazu. Michael speziell hat einen guten Einkanaler gesucht, da er viel mit Pedals arbeitet. Und dann lief halt der Mesa mal beim Kirstein über den Weg (zwinkert). Mesa steht für Qualität, das passt gut zu uns (lacht). Und ich persönlich spiele einen ENGL Combo, weil – nach dem Ausschlussverfahren – Marshall klangmäßig nicht in den Bandsound für mich passt und ich kein Fender-Amp-Fan bin. Fender-Gitarren ja, ich spiele ja die Tele, aber nicht als Amp. Und netterweise ist ENGL auch noch eine deutsche Firma und im Falle eines Schadens kann ich den Amp vom Hersteller reparieren lassen. Ich hatte den Fall schon mit einem anderen ENGL und das lief so super, dass das ein wichtiger Punkt in meiner Equipment-Entscheidung wurde. Mit der Akustikgitarre gehe ich als Ausnahme tatsächlich über ’ne DI Box, die ich präzise EQ-en kann, ins Mischpult. Aber auch hier zählt die hohe Qualität der einzelnen Instrumente, der DI Box und der sonstigen Effekte im Signalweg. Dennoch bin ich gerade am Überlegen, auch einen Amp mitzunehmen.
Aha, warum? Dann hat man wiederum mehr Equipment und Geschleppe?
Weil sonst meine Argumentation mit dem Bühnensound nicht stimmt (lacht) Ne, im Ernst: genau deswegen. Bei uns kommt der Sound von der Bühne und die Akustikgitarre aber nicht. Ich mag’s auch lieber, nur den Gesang über die Monitore zu haben, den Rest (also Gitarren und Bass) hör ich gern von hinter mir. Da geht es vielleicht auch ein bisschen ums Prinzip (lacht noch mehr). Und ganz ehrlich: Der eine Amp ist auch schon egal, wenn ich den noch mitnehme.
Amps sind beim Klang das eine, die Gitarren das andere. Du und Michael, ihr beide spielt Fender-Gitarren mit Single-Coil-Tonabnehmern. Warum nutzt ihr keine Kombination mit einer Humbucker-Tonabnehmer-Gitarre, also prädestiniert eine Gibson Les Paul?
Michael spielt Fender Strat als Leadgitarrist – einerseits ganz banal, weil er ein Tremolo braucht, und andererseits, weil der Herr Richie Sambora von Bon Jovi halt sein größter Held ist (lacht). Mir fiel die Wahl der Gitarre nicht ganz so leicht. Mein erster Hero war Slash mit seiner Les Paul. Aber als Sängerin hab ich schnell gemerkt, dass ich noch nicht so versiert bin, vier Drehregler und einen Pickup-Wahlschalter zu bedienen und zu singen (lacht). Und das beides im Idealfall auch noch in hoher Qualität. Vor circa zwei Jahren lief mir dann diese rote Fender Tele rein – eigentlich wollte ich nie Tele spielen. Aber ich muss zugeben: als Sängerin ist das für mich die beste Wahl. Wahrscheinlich hat sich das der Bruce Springsteen damals auch gedacht. Der hat ja auch mit einer Les Paul angefangen und wollte dann unbedingt die Tele. The rest is history, wie man so schön sagt. Was uns bestätigt, ist regelmäßiges Feedback nach unseren Auftritten vom Publikum, das zu uns kommt und sagt: „Ihr habt aber ’nen geilen Sound“. Das freut uns natürlich besonders.
Du hast ja angesprochen, dass ihr Bühnensound wollt und der „Rest über die PA dazu gefahren wird“. Die gehört aber nicht zu eurem Equipment?
Genau! Wir spielen nur Locations, in denen eine PA vorhanden ist. Und dies aus dem einfachen Grund, dass dann auch die PA für die Größe der Location ausgelegt ist. Die PA selbst mitzubringen birgt für mich zu viel Risiko im Hinblick auf „ist sie zu klein, hören nicht alle was“ oder „die ist komplett überdimensioniert“. In den meisten Locations ist ja regelmäßig Livemusik und dann ist es für den Wirt auch keine außerordentliche Investition in eine passende stationäre Anlage. Das Schöne ist dann, dass der Hausmischer auch gleich vor Ort ist und die Anlage kennt. Ich hab zwar den Traum eines festen Mischers, der uns immer mischt, einfach, weil er die Songs kennt, er weiß, wann welche Effekte zum Beispiel auf die Stimme zu legen sind, und beim Soundcheck alles einfach schneller geht. Aber daran arbeiten wir noch (lacht).
Also bleibt es zunächst beim Hausmischer. Dem seid ihr dann mehr oder weniger ausgeliefert?
Was nach draußen über die PA noch dazukommt, entscheidet der Hausmischer. Da sind wir komplett raus und mischen uns auch nicht ein, weil der Mischer ja den Club kennt und weiß, wie der Sound sein soll. Also: wenn ihr mal was nicht hört, wir zu laut sind, oder was auch immer – geht zum Mischer (lacht). Den Satz kann man vielleicht weglassen (lacht lauter).
Und wie steht es mit der Basis, also Schlagzeug und Bassgitarre. Den Viersaiter bediente bislang Jenfry, in der Drehleier hattet ihr nun Mike am Bass. Der ist ja ein altgedienter Routinier, und da macht schon alleine das spielerische Können den Sound besser?
Ja genau, und die KissMan-Cap macht echt 20 Jahre jünger, gell (lacht)? Ich kenne den Mike schon viele Jahre, der hat schon mit meinem Freund zusammen Musik gemacht. Und bei Who Knows und ZEP ist er ja sowieso bekannt. Manchmal ändern sich einfach Situationen im Leben, dass eine Band mit dem entsprechend geforderten Zeitaufwand nicht mehr reinpasst, und so hat uns Mike spontan ausgeholfen. Wir sind mit Jenfry immer noch in gutem Kontakt und gehen auch ab und zu essen. Der offizielle Nachfolger wird Mike aber nicht, der muss nicht mehr proben, wir aber schon (lacht). Unser neuer Mann am Bass ist Raimund „Ray“ Rieger, lustigerweise war er mein Vorgänger am Bass bei Fursty Rocks. Er stieg damals aus, weil er sich auf Deutschrock, sprich die Band „Das Kubinat“ konzentrieren wollte, und dank ihm lernte ich eigentlich dann erst Michael und Sebastian kennen.
Das ist ja ein richtiges Hin und Her. Gibt es da auch Reibereien?
Ich finde es immer schade, wenn man im Streit auseinandergeht, das muss einfach nicht sein. Klar ist eine Trennung nicht schön, aber man kann ja ganz offen sagen, was einen stört. Und das muss man auch – sonst staut sich alles irgendwann zu stark auf und dann fliegen die Fetzen und man geht wirklich im Streit auseinander. Also mein Tipp: Redet miteinander, was euch stört – und sagt auch gern mal, was gut ist (lacht)! Die Band ist wirklich wie eine Beziehung. Reden hilft, hat meine Oma schon gesagt.
Und was gibt es zu eurem Schlagzeuger Sebastian zu sagen, der ist offenbar eine sichere und solide Basis?
Sebastian, der mystische Mann im Hintergrund, der ungern auf Social Media auftaucht (lacht). Aber ja, du hast Recht. Basti ist die Rhythmusmaschine im Hintergrund, und mit den Backing Vocals gibt er dem gesamten Bandsound natürlich auch noch seine eigene Note. Aber da er ja wenig auf Social Media auftauchen will, müsst ihr zu den Gigs kommen, um mehr über ihn zu erfahren (zwinkert).
3. KissMan-Booking

Jetzt interessiert natürlich, wie ihr zu euren Auftritten kommt. Wie kam denn der Kontakt zu „KUKI YourStage!“ und zum Bombig zustande?
Ich kenne das Bombig noch aus den Anfangszeiten auf dem Gelände der Reese-Kaserne. Damals spielte mein Lebensgefährte Bastian Krauß in der Band Dispatch Skulls und die wiederum war eine der ersten Bands im Bombig. Ich habe die Band auch als Fotografin begleitet und war über die Jahre ziemlich oft dort. Seit damals verfolge ich in den sozialen Medien sehr genau, was im Bombig passiert. Und als KUKI sich vor ca. zwei Jahren mehr eingeklinkt hat und die YourStage! ins Leben gerufen hat, habe ich mit meiner damaligen Band Fursty Rocks bei einer der ersten YourStages gespielt. Die Leute vom Bombig kenne ich ja eh schon viele Jahre und so haben sich die Freundschaften erweitert und ich habe viele neue Leute dort kennen gelernt. Es ist einfach ein klasse Club mit tollen Menschen, die ihn betreiben.
Also war „KUKI YourStage!“ wieder ein gutes Startportal, nunmehr für KissMan.
Genau! Das Format ist echt klasse, wenn man als Band noch unbekannt ist. Als wir mit KissMan Anfang des Jahres bühnenfertig waren, habe ich uns dann beworben – die Connections haben nicht geholfen (lacht). Wir wurden mit Obazda zusammengewürfelt und den Rest des Abends kennst du ja. Vielleicht noch ein Wort zur Orga: Die ist nämlich echt klasse. Du bekommst vorab schon so viele Infos, dass du eigentlich nur noch mit deinem Zeug kommen musst und spielen. Du schickst den Stage Rider und alles ist vorbereitet, du musst nur noch lesen, wo du welche Kabel einstöpseln musst, Soundcheck, fertig. Echt klasse! Und der Gerhard [Anm.: Gerhard Lechner, der Bombig „Barbeque-Chef“] hat dann auch noch den Grill angeworfen, wir wurden da schon sehr verwöhnt!
Und wie ich in der Folge erleben konnte, habt ihr regelmäßig Kombinationsauftritte. Strebt ihr das an?
Kombinationsauftritte finde ich super – gerade, wenn man zusammengewürfelt ist. Das erweitert auch den eigenen Horizont wieder ein bisschen. Die Erwartungshaltung vom Publikum geht schon sehr stark in die Richtung, dass eine ähnliche Musikrichtung am Abend von den Bands gespielt wird. Klar bringt jeder seine Fans mit, aber wir hatten es auch schon, dass die Fans der anderen Band bei uns dann draußen beim Rauchen standen (lacht). Alles gut, ich nehme das auch nicht übel, aber ich versetze mich dann eher selbst ins Publikum, und frage mich, wie viel ist man dann bereit, für den Eintritt zu bezahlen.
Apropos Eintrittsgelder – wie wird das geregelt?
Im Regelfall haben die Clubs, in denen wir spielen, eine Vorgabe. Ich persönlich bin zum Beispiel vom „Spenden-Hut“ ein großer Fan. Wenn jemand vom Club damit rumgeht und es ernst nimmt, dann ist da auch was drin.
Also so wie bei KUKI beziehungsweise im Bombig üblich?
Genau! Beim fixen Eintrittsgeld hingegen bin ich immer etwas kritisch: Wie viel ist man bereit, für eine Coverband – die wir ja sind – für einen Abend zu bezahlen? Wie viele Bier oder Spezis kann man dann noch trinken? Und wie hoch ist das eigene Einkommen? Umsonst ist auch immer so ‘ne Sache – was umsonst ist, ist nix wert. Aber mein Bauchgefühl und Eindruck ist, dass für zwei Bands am Abend 15 Euro das Maximum ist. Der Eintritt wird ja im Voraus bezahlt. Wenn dir die Bands dann nicht gefallen oder eine der beiden, ist es blöd. Deswegen finde ich den Hut dann wieder gut: Wenn mir das total gut gefallen hat, werfe ich persönlich auch oft mehr rein, als der Eintritt wahrscheinlich gekostet hätte.
Die Eintrittsgelder müssen schließlich auch Kosten abdecken?
Das ist sicherlich anders, wenn die Band selbst Locations bucht, wie zum Beispiel das Backstage in München. Da hast du Raummiete, Fixkosten, usw. Das wird dann ja auch auf die Ticketpreise umgerechnet. Aber das machen wir ja nicht.
Und warum?
Dafür braucht die Band schon eine große Fangemeinde, sonst stehst du vor leerer Halle. Schau dir zum Beispiel die Augsburger Band Coldheart an: Die haben Clubs, Clubs, Clubs und nochmal Clubs gespielt, haben immer super abgeliefert. Und jetzt erst mieten sie das Spektrum. Dann macht das Sinn, aber wir sind da noch am Anfang unserer Karriere.
Thema Zuschauerzahlen – woher kommen denn eure Zuschauer?
Von der Couch (lacht laut)?! Ne, im Ernst – ich sehe die Verantwortung 50:50, beim Wirt und bei der Band. Ohne Werbung in der Location, ohne Plakate und Social Media weiß ja niemand was. Und genauso muss es die Band machen. Plakate sind zwar nicht mehr oft gewollt, aber dann zumindest über Social Media. Wir schreiben auch unser näheres Umfeld immer persönlich an und machen die Leute auf die Gigs aufmerksam. Da sagen auch viele: „Sag mir Bescheid, wenn du da und da spielst.“ In der heutigen schnellen Zeit kriegt man viel doch nicht mit und vergisst es wieder. Und dann ist man doch dankbar, nochmal ‘nen persönlichen Reminder zu bekommen.
Eine Frage zum Booking im engeren Sinne – da gibt es Agenturen, aber das macht ihr ja selbst. Wie akquiriert ihr eure Clubs?
Es fängt alles an in den Clubs, die man kennt. Und dann arbeiten wir uns vor mit Bewerbungen und Besuchen in neuen Locations. Es ist völlig o.k., wenn man mit einer zweiten Band gebucht wird, das ist für den Veranstalter natürlich sicherer im Hinblick auf Publikum. Und so erweitert sich dann die Gig-Liste Jahr um Jahr. Manchmal werden wir auch von befreundeten Bands gefragt, ob wir einspringen können, wie bei der Drehleier. Ich kenne Jan von „The Jan Solo Project“ schon viele Jahre, habe bei ihm in den Anfangstagen Bass gespielt und wir verstehen uns einfach immer noch super. Unser Glück ist, dass für alle meine Musiker die Band einen sehr hohen Fokus hat. Wenn Bandmitglieder erst noch andere Hobbies als „Prio“ vor der Band haben, wir es schwierig, spontan einzuspringen. Aber im Endeffekt sollte man sich die Clubs raussuchen, in denen man spielen will und aktiv sein möchte. Eine E-Mail hinschicken reicht oft einfach nicht. Es gibt so viele Bands und so wenige Clubs, die werden ja alle überrannt. Also sollte man sich was einfallen lassen, warum der Veranstalter genau dich spielen sehen will. Es ist ja auch „nur“ Verkauf – was ist dein Alleinstellungsmerkmal, warum sollst du dort spielen?
Wie ist der aktuelle Stand für 2026?
Die Bookings sind in vollem Gange. Wir spielen zum Beispiel nochmals bei der KUKI YourStage!, in der Bonanzbar, im Sugar Shack und natürlich beim Sprintervan Festival. Mittlerweile planen wir zwölf Monate im Voraus. Einspringen für eine erkrankte Band kann immer vorkommen. Aber die wenigen Clubs, die es noch gibt, haben natürlich massiven Andrang. Somit tut jede Band gut, sich immer und dauerhaft um die Gigs zu kümmern, weil im Regelfall schon viele Termine ausgebucht sind.
Du sagst „wenige Clubs“. Wie ist hier die Entwicklung?
Es werden schon immer weniger Clubs mit Livebühnen im Laufe der Jahre, auch wenn es immer wieder Ausnahmen und Neueröffnungen gibt. Hier würde ich gerne das Sugar Shack in München und den Starclub in Donauwörth nennen. Und natürlich das Bombig, das nach dem Aus in der Reesekaserne weiter gemacht hat (zwinker) – schön, dass sich hier neue Räumlichkeiten gefunden haben! Aber viele Clubs schließen wegen behördlichen Auflagen, weil das Gebäude verkauft und abgerissen wird. Etwa zugunsten von Büroflächen – siehe Podium in München, usw. usw. Das führt dann natürlich zu dem oben genannten Ansturm auf die verbleibenden Clubs.
4. KissMan-Marketing

Wollen wir uns dem Marketing zuwenden. Das Thema Social Media hast du schon erwähnt!
Ohne Social Media geht’s nicht mehr – leider. Es ist nämlich signifikanter Aufwand. Klar, früher bist du rumgefahren und hast Plakate aufgehängt. Heute musst du Videos machen, Fotos posten, Reminder, regelmäßig am besten, denn sonst gehst du in dem Ranking unter. Je mehr die Band spielt, desto mehr Content ist natürlich da. Aber allein das immer daran denken, hier noch ein Post, da eine Story, ist schon manchmal mühsam. Und Video schneiden kann ich zum Beispiel nicht. Ein Arbeitskollege hat mir bisher geholfen, der wird jetzt aber Papa und hat keine Zeit mehr. Klar gibt es Firmen, aber die arbeiten verständlicherweise auch nicht umsonst, und dann stellt sich halt wirklich irgendwann die Frage, was machst du alles? Die Veranstalter fordern auch von den kleinen und neuen Bands das volle Paket – Facebook, Instagram und YouTube. Ja, aber das was zählt, ist doch die Livequalität, oder?
Das kann ich nur unterstreichen. Dennoch gucke ich mir auch gerne Videos an, da sitzt man immer in der ersten Reihe!
Ich hab unser letztes Video geschnitten, ich brauche dafür acht Stunden. In der Zeit könnte ich auch üben – oder schlafen (lacht). Da muss man sich dann halt wirklich die Frage stellen, was man leisten kann und was die Veranstalter aber gerne haben wollen. Sind jetzt Videos und die Außendarstellung wichtiger oder die Qualität eines Auftritts? Wenn ich live schlecht bin, aber einen tollen Social-Media-Auftritt habe, hilft das auch keinem. Und wie die großen Bands, die ein Mediateam haben, das haben wir halt nicht. Da muss man ein bisschen die Kirche im Dorf lassen, finde ich. Werbung ist wichtig, aber in welchem Umfang? Wir haben knapp 100 Follower auf Instagram. Früher hast du das alles nicht gehabt und die Mund-zu-Mund-Propaganda hat dir geholfen, wenn du gut warst. Darum ging es. Nicht um „shiny shiny bling bling“-Fotos. Es wäre schön, wenn das wieder etwas mehr werden würde.
Helfen euch die Clubs?
Die Zusammenarbeit mit dem Club ist extrem wichtig. Da gibt es Clubs, die richtig viel Werbung machen, Posts teilen, Plakate aufhängen – Bombig ist da super, meinen größten Respekt! Und dann gibt es andererseits Veranstalter, die vielleicht mal eine Story von dir teilen, beim Video die „Collab-Markierung“ [Anm.: Funktion auf Instagram, um einen Beitrag mit einem anderen Account gemeinsam zu veröffentlichen, so dass er auf beiden Profilen erscheint und die Reichweite vergrößert wird] nicht annehmen und anderes. Wofür dann der ganzen Aufwand und warum wird es dann gefordert? Es ist doch Werbung für beide Seiten. Werbung muss sein, ganz klar, aber der Fokus auf Social Media ist schon echt krass. Ich versteh auch die Memes, die sagen, Musiker sind mehr als 50 % Content Creators. Und nur weil du viel postest, heißt es auch nicht, dass viele Leute kommen. Man bekommt ja alles zuhause auf die Couch serviert. Hach, ein heißes Thema (seufzt heftig).
Was habt ihr sonst noch im Marketing-Programm?
Wir haben ganz banal Plakate machen lassen und kleinere Flyer, die wir bei jedem Gig auslegen. Wobei Plakate eigentlich niemand mehr will. Zudem noch Logo-Aufkleber. Hier hilft uns Michaels Frau Vanessa immer, wofür ich unendlich dankbar bin. Sie kümmert sich darum, dass das alles ausliegt, die nächsten Gigs auf den Flyern stehen, sie macht auch die Fotos und damit füllt sich Social Media auch wieder ein bisschen (lacht). Ach ja, nochmal Social Media: Das Investment in Kameras für die Videos ist übrigens auch nicht zu unterschätzen (lacht). Und von dir bekommen wir natürlich auch noch mediale Unterstützung (zwinkert). Das war ja komplett ungeplant und unvorhersehbar!
Hinter der Band steht also noch ein kleines Team?
Ja, genau. Sowas macht es viel einfacher. Und es ist echt toll, wenn dich jemand unterstützen will, so wie du ja soeben. Das ist so schön. Und man lernt, auch einfach mal ja zu sagen und Unterstützung anzunehmen. Viele unserer Fans machen auch in ihren Stories schon Werbung für uns, das ist klasse.
Und diese Fans belohnt ihr dann mit Berücksichtigung auf eure Gästeliste!
Ganz klar, Gästeliste muss ein. Okay, man kann nicht immer jeden draufschreiben, aber gerade die Unterstützer und Fans der ersten Stunde, die zu jedem Gig kommen, die sollen wirklich nix zahlen. Da sind einfach die Unterstützung und der Applaus wichtiger.
Nochmals Marketing-Artikel: Ihr habt auch ein ganz spezielles Produkt im Programm!
Genau, wir haben uns für Caps entschieden, weil T-Shirts sehr umfangreich und teurer in der Anschaffung sind. Du brauchst unterschiedliche Größen, Ladies, Men, usw. Man muss es ja auch mitnehmen und präsentieren. Caps haben wir deshalb gemacht, weil es wenige Bands gibt, die so etwas anbieten. Aber ich bin ehrlich, die meisten haben wir verschenkt (lacht). Oder eine wurde uns vermeintlich geklaut …
Sprichst du da etwa auf mich an?!
Nööö (lacht laut)! Es war aber zu lustig, als mir einer nach dem Gig in der Drehleier entrüstet sagte, dass da einer aus dem Back kam, die Cap aufsetzte und ging. Und noch mehr, als du mir dann später das Foto von deinem Heimweg nach Augsburg mit der Cap schicktest und mitteiltest, bei der Aussicht auf „20 Jahre jünger“ konntest du nicht widerstehen. Zu gut (lacht laut)!!
Ich musste tatsächlich sehr eilig aufbrechen, um meinen Zug zurück nach Augsburg nicht zu verpassen. Sonst hätte ich natürlich artig angefragt. Zu meinem Glück hab ihr den „Cap Rob“ nicht durch einen „Cap Cop“ ahnden lassen. Die sehr gut verarbeitete „KissMan-Cap“ ist ja nicht ganz günstig. Habt ihr ein festes Marketing-Budget?
Haben wir tatsächlich nicht gesetzt. Wir warten jetzt mal ab, was noch so kommt und worauf wir Bock haben. Ich spicke immer bisschen bei den großen Bands, was die so machen und worauf die Leute stehen. Und was auch preislich in Ordnung ist. Für uns ist es keine Einnahmequelle wie für Berufsmusiker. Daher können wir da etwas entspannter drangehen. Aber wenn wir zumindest ein bisschen was damit dazuverdienen können und zum Beispiel die Proberaummiete drin ist, ist es schon cool. Nach der Steuererklärung bleibt dann aber eh nicht mehr viel übrig.
Noch eine Abschlussfrage: Würdest du der KUKI-Community für mögliche weitere Fragestellungen zur Verfügung stehen? Sicherlich gibt es noch einige Detailaspekte, zu denen du Tipps geben könntest.
Na klar, immer gern (strahlt)!
Also dann! Weitere Infos zu KissMan und die Kontaktdaten von Sabrina Kisslinger finden sich auf der Band-Homepage unter: https://www.kissman-band.de/

Text & Fotos: Joe (Jochen Cantner – auf dem Bild 20 Jahre jünger, mindestens! Anm. der Redaktion 😉 )


