Werner G. Lengenfelder

Wolfgang Niedecken – „Maach et joot“ zum 75sten

Konzerte Porträt

Ein Geburtstagsgruß von Werner G. Lengenfelder

Mein erstes BAP-Konzert besuchte ich im Oktober 1981 in Augsburg. Marilis Kurz-Lunkenbein, eine Journalisten-Kollegin, die aus Nordrhein-Westfalen stammt und die Band bereits dort für sich entdeckt hatte, hat mich damals mitgeschleppt. Wolfgang Niedecken schreibt über dieses Konzert in seinem Logbuch zur Jubiläumstour 2016: „Ich erinnere mich gerne an unseren ersten Auftritt in Augsburg, der vor maximal 50 zahlenden Zuschauern in der Kresslesmühle stattfand.“ Ich auch, denn ich war einer davon.

Es sollte nicht mein letztes BAP-Konzert sein. Immer wieder habe ich Niedecken mit seiner Band, aber auch solo, live gesehen und ihn mehrfach getroffen. Er war einer der wenigen Künstler, die mir selbst unter den schwierigen Bedingungen der Corona-Pandemie ein persönliches Interview gaben.

Zwei Auftritte greife ich hier heraus:

22. Mai 2012, Erfurt, Thüringenhalle. Wolfgang Niedecken hatte rund sechs Monate davor einen Schlaganfall erlitten, am 2. November 2011. Er war an diesem Tag zuhause und hatte beim Lesen bemerkt, dass es ihm schummrig vor den Augen wurde und dass er sich nichts mehr merken konnte. Zum Glück war seine Frau Tina zur Stelle. Bereits wenige Stunden später wurde Niedecken in einer Kölner Klinik operiert.

Mein Fokus bei diesem Konzert lag also auf seiner Gesundheit. Es war erstaunlich, fast wie ein Wunder. Wolfgang Niedecken hatte keine Sprachaussetzer oder Verzögerungen. Auch bei seinem Gitarrenspiel konnte ich keine Einschränkung erkennen. Es hat mich sehr überrascht, wie gut es ihm ging. Niedecken hat immer wieder erklärt, dass seine schnelle Genesung vor allem auf die schnelle Reaktion seiner Frau zurückzuführen ist, die alles richtig gemacht hatte. 2013 hat er dann sein Solo-Album „Zusamme alt“ veröffentlicht – eine musikalische Liebeserklärung an Tina.

Nun zu einem zweiten, besonderen Konzert von Wolfgang Niedecken und BAP. Es fand am 5. Dezember 2016 in der Stadthalle meines Wohnortes Gersthofen statt. Am Vortag war spielfrei, Niedecken hatte also viel Zeit in der Kleinstadt. Gemeinsam mit einem Fan, der beim legendären Konzert 1981 wie ich unter den wenigen zahlenden Gästen war, besuchte er am Vormittag noch einmal die Location im nur wenige Kilometer entfernten Augsburg, siehe Logbuch-Eintrag oben.

Am Abend gab es eine weitere Besonderheit. Niedecken lädt sich gerne Gäste ein. Diesmal war das ein Bekannter von mir: Sebastian Frisch. Sebastian ist einige Jahre jünger als ich und ging auch aufs Friedberger Gymnasium. Er hat in verschiedenen Formationen gesungen sowie Schlagzeug und Klavier gespielt und mehrere Alben aufgenommen. Im Booklet zur CD „Frisch-Auf“ dankt er mir sogar für die jahrzehntelange Unterstützung. Nur von einem Komma getrennt kommt gleich danach Sebastians Dank an Wolfgang Niedecken, dessen Musik ihn sehr inspiriert hat. Das Album erschien 2004. Da konnte Sebastian noch nicht ahnen, dass Niedecken im April 2015 in seinem Wohnzimmer in Friedberg bei einem Unplugged-Konzert auftreten und er weitere eineinhalb Jahre später mit Valentin Metzger an der Trompete in Gersthofen gemeinsam im Konzert „Was wir alleine nicht schaffen“ spielen würde.

Sebastian Frisch kam am 20. August 2023 bei einem tragischen Unfall auf der Donau ums Leben. Im Dezember gedachten ihm seine Augsburger Musikerkolleginnen und -kollegen mit einem „Memorial“-Abend im Spectrum. Wolfgang Niedecken kam meiner Bitte nach ein paar Worten zu Sebastian gerne nach und schickte uns eine sehr emotionale und berührende Video-Botschaft.

Mein letztes Treffen mit Wolfgang Niedecken war im Januar 2026. Und natürlich war da auch sein bevorstehender Geburtstag ein Thema. Was bedeuten ihm solche Jubiläen? „Also eigentlich nicht so furchtbar viel. Ich begehe meinen Geburtstag in der Kölner Philharmonie. Auf dem Plakat steht ‚Aus besonderem Anlass…‘. Privat kommen die Kinder mit ihren Familien zu uns und dann gibt es das – wir nennen das so – Geburtstagsbrett. Derjenige, der Geburtstag hat, muss aus der Wohnetage draußen bleiben und die anderen bereiten den großen Esstisch vor. Dann singen alle und dann werden die Geschenke ausgepackt… das ist wie eine Bescherung.“

Am 30. März 2026 feiert Wolfgang Niedecken seinen 75. Geburtstag. „Maach et joot“, Wolfgang! Alles Gute und danke für die vielen freundschaftlichen Begegnungen und schönen Konzerte.

Werner G. Lengenfelder Sebastian Frisch, Wolfgang Niedecken und Valentin Metzger
Werner G. Lengenfelder 2018 hat Wolfgang Niedecken das Bild signiert, das ihn kurz nach seinem Schlaganfall zeigt


Werner G. Lengenfelder

„Der Pop Papst“ Werner G. Lengenfelder ist seit fast 50 Jahren als Musikredakteur für Radio, Print und Social Media tätig. Er hat weit über 1.000 Konzerte besucht und hunderte Künstler interviewt.

Nach einer Ausbildung zum Zeitschriftenredakteur wirkte er Ende der 1980er-Jahre am Aufbau mehrerer Radiostationen in Bayern mit. Als Berater war er für Hörfunksender in Deutschland, Österreich und Südtirol tätig. Von 1992 bis 2026 arbeitete er als freier Mitarbeiter für MDR THÜRINGEN – Das Radio. Als Foto-Journalist ist er auf Konzert- und Künstlerfotos spezialisiert.

Werner G. Lengenfelder wurde am Valentinstag 1960, einem Sonntag, in München geboren. Er ist verheiratet und lebt in Gersthofen.

Bildrechte: Bernd Müller

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