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Mehr Groove wagen – ein Plädoyer für den Funk

Vocals

Augsburg ist vieles: Fuggerstadt, Renaissancemetropole, Puppenkistenheimat – aber Funk-Metropole? Eher so halb. Eigentlich gar nicht. Während anderswo die Basslinien durch die Hood wabern, scheint bei uns der Groove im Stau auf der B17 zu stehen.

Tatsache ist, dass ich als funk- und groovebegeisterte Sängerin nach dem coronabedingten Ende meiner Band wakafunka völlig aufgeschmissen war. Monatelang streunte ich auf einschlägigen Sessions in Augsburg herum auf der Suche nach kongenialen Funk-Musikern, die böse Licks und Grooves raushauen, auf die ich singen kann. Furztrockene Snare auf 2 und 4 und – niemals auf 1 und 3 klatschen! Frage der Ehre! Wer bei James Brown zu früh klatscht, bekommt ein mitleidiges Lächeln.

Funk-Sessions in Augsburg – no way!

Aber in Augsburg gibt’s nur Blues- und Jazz-Sessions. Nix für mich. Zum Einschlafen. Erinnert sich eigentlich irgendwer noch an die großartigen Sessions Anfang der Nullerjahre, wo Markus Becker vom Downtown Institute jeden Monat PA und Bühne in der ehemaligen Mahagoni-Bar in der Armenhausgasse aufbauen ließ und es nur so von der Bühne groovte?! Mann, waren das Zeiten! Da haben mich damals die späteren Mitmusiker von phonicplus angesprochen. War ’ne richtige Groove-Musikerbörse damals.

Nur echtes Kopfnicken im Offbeat

In vielen Clubs dominiert heute der berühmte Mix aus Charts, 90ern, irgendwas mit Remix oder Techno. Funk und Soul? Tauchen meist nur auf kleinen privaten Veranstaltungen auf, wo sich Menschen treffen, die wissen, dass ein funky Bläsersatz mehr Glückshormone freisetzt als drei Maß aufm Plärrer. Wer den Funk liebt, meint es ernst: Kein Mitgrölen zu den immer gleichen Hits, sondern echtes Kopfnicken im Offbeat.

Soulband mit Bläsersatz – Schnappatmung!

Ich fühlte mich musikalisch alleingelassen, war die Augsburger One-Woman-Untergrundbewegung für viel Bass und geile Breaks, „Keep on funkin’!“ und „Come on – yeah!“ aufm Wohnzimmerteppich. Bis ich dann über einen befreundeten Jazzer auf Social Media mitbekam, dass es da in Kempten eine Soulband mit Bläsersatz gab, die neben einem Trompeter eine Sängerin suchte. SCHNAPPATMUNG! Nix wie hin, dachte ich. Nun fahre ich mit eben jenem Trompeter alle zwei Wochen von Augsburg nach Kempten zur Probe mit der achtköpfigen Band SOULMINE. Da kann ich aufs Feinste soulful rausrotzen.

Funky Groove – was’n das?

Ist nochmal gut gegangen für mich. Aber eben nicht in Augsburg. Hier bräuchte es ein bisschen Mut zum Groove. Mehr Glitzerhemden, mehr Wah-Wah-Gitarren, mehr mollige Rhodes- und drahtige Hohner-D6-Sounds, funky Basslines, auch mal geslappt, Synkopen, Offbeats, kratzige Gitarrenlicks und feist verzerrte jaulende Soli. Aber wenn jemand hier „Groove“ sagt, schauen erst mal drei Leute irritiert und einer fragt, ob das eine neue Bar in der Maxstraße ist.

Augsburg ist schlimmstes Entwicklungsgebiet für Funk/Soul. Wenn hier mal jemand mehr Groove wagt und sich auf den Weg zu Augsburg als Funk-Metropole begeben will, bin ich sofort dabei!

May The Funk Be With Augsburg!

… und übrigens: SOULMINE spielt am 18. Juli 2026 im Bombig.

1 thought on “Mehr Groove wagen – ein Plädoyer für den Funk

  1. Hallo Susanne,

    da steckt sehr viel Wares in deinem Artikel. Es ist schon steinig neben Jazz und dem Altlastencoverrock/Blues andere Wege zu gehen, aber es funktioniert manchmal auch hier ;-). Was die Session´s damals in der alten Mahagoni-Bar betrifft war eben eine andere Zeit. In diesem Sinne der „Groove“ sei stets mit Dir

    Schorsch

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