Das Foto ist lausig, ich weiß. Was die KUKI-Band Indie Disco am 18. April in der HammerAlm abgeliefert hat, war das komplette Gegenteil: Britpop, Post-Punk, Garage und Alternative vom Feinsten – und ein Gänsehautmoment.
Der fünfte Song ist oft ein guter Gradmesser. Als „Sex On Fire“ von Kings of Leon durch die HammerAlm auf dem Vereinsgelände des SV Hammerschmiede schallt, die Band längst auf Betriebstemperatur ist und der Refrain lautstark mitgesungen wird, weiß ich: Das wird ein richtig guter Abend.
Was mich sofort beeindruckt: Indie Disco funktioniert als echtes Kollektiv. Michael „Effi“ Effenberger (Gesang, Gitarre) erzählt zwischendurch von über 30 Jahren gemeinsamer Geschichte mit Andy Kuhn (Gitarre, Gesang) und Harry Guckert (Bass, Gesang). Auch mit Volker Fritzer (Schlagzeug) und Christian Baunz (Keyboard) hat er in verschiedenen Bands gespielt. Diese Vertrautheit hört man. Niemand drängt sich in den Vordergrund, alles wirkt harmonisch. Auch der mehrstimmige Gesang.
Der Einstieg mit „Take Me Out“ von Franz Ferdinand holt mich direkt ab: kantig und druckvoll. Es folgen bekannte Indie-Hymnen und Szeneklassiker im ständigen Wechsel – von „Every You Every Me“ (Placebo) über das treibende „Dakota“ (Stereophonics) bis hin zum wunderbar groovenden „Lonely Boy“ (The Black Keys), bei dem Harry die Lead Vocals übernimmt.
Was mir besonders gefällt, ist die Dramaturgie des Abends. Neben schnellen, tanzbaren Songs wie „Chelsea Dagger“ von The Fratellis – bei dem wirklich der ganze Laden das „Do-do-do, do-do-do, do-do-do-do-do-do-do“ singt – gibt es ruhigere, intensivere Momente. „No Surprises“ von Radiohead gönnt mir eine kurze Verschnaufpause, während „If You Tolerate This Your Children Will Be Next“ von den Manic Street Preachers nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich hängen bleibt. Effi nutzt die Ansage für ein klares Statement für Demokratie und eine offene Gesellschaft – und erhält von seinem Publikum dafür reichlich Applaus.
Indie-Rock, Post-Punk, Britpop, Garage, Alternative – die Genres gehen an diesem Abend fließend ineinander über. Oasis neben Radiohead, The Strokes neben Muse, The Cure neben Arctic Monkeys. Das Gesamtbild ist stimmig: vielfältig, dabei nie beliebig, sondern mit viel Gespür zusammengestellt. Auch Songs, die wahrscheinlich nicht auf vielen Setlists zu finden sind – etwa „Books From Boxes“ von Maximo Park, von Harry und Effi stark zweistimmig gesungen –, fügen sich nahtlos ein.
Klanglich hinterlässt der Abend ebenfalls einen starken Eindruck. Martin Seiler am Mischpult holt einen klaren, druckvollen Sound aus der Anlage. Der Initiator – und Mastermind – des bekannten A-cappella-XXL-Chors Greg is Back ist ein alter Weggefährte der Bandmitglieder. Marcus Hartmann sorgt mit dem Licht für genau die richtige Atmosphäre. In der mit geschätzt gut 100 Leuten voll besetzten HammerAlm wird es schnell warm. Umso dankbarer bin ich, dass das sympathische Paar Michael und Aldiana Hieber hinter dem Tresen unermüdlich für erfrischenden Nachschub sorgt.
Nach gut zwei Stunden ohne Pause scheint mit „Chasing Cars“ von Snow Patrol ein ruhiger Schlusspunkt gesetzt. Ich lehne mich kurz zurück.
Doch das Publikum lässt die Band einfach nicht gehen.
„Mr. Brightside“ von The Killers reißt alle wieder hoch. Es wird getanzt, geklatscht, gesungen. Und dann folgt „Yellow“ von Coldplay. Wie Effi diesen Song nach über zwei Stunden noch gesanglich bringt – mein ganz persönlicher Gänsehautmoment.
Das Konzert endet schließlich mit „Bitter Sweet Symphony“ von The Verve – ein Song, den ich viel zu selten höre, der mich aber jedes Mal wieder begeistert. Ein würdiger Abschluss.
Was mich am Ende beschäftigt: Wie kann es eigentlich sein, dass Indie Disco zwar eine KUKI-Band ist, aber noch nie in unserem Vereinsheim Bombig Bar & Garage gespielt hat? Es wird höchste Zeit.
Wer nicht so lange warten möchte: Am 16. Mai spielt die Band beim Lechviertel Festival in Landsberg am Lech. Mehr Indie Disco gibt es auf Instagram.

Benny Lück
Als ich zur Welt kam, grüßte Desmond Dekker mit „Israelites“ von Platz eins der deutschen Charts, 38 Tage später begann das Woodstock-Festival – musikmäßig ging’s also schon mal ganz gut los. Meine weitere musikalische Sozialisation ist schnell erzählt: leiernde Kassetten, Disco, Schlager der Woche, „TNT“ in brüllender Lautstärke auf dem Jungsklo der Hauptschule, bis der Hausmeister dem Spuk ein Ende setzte – so was eben. Heute schraddle ich auf meiner Larrivée L-03. Nicht auf irgendwelchen Bühnen, nur bei uns zu Hause, weshalb mich meine Frau auch schon als „Sofagitarrist“ bezeichnet hat. Und ich darf für den KUKI Express schreiben. Toll!



