Werner G. Lengenfelder

Panik-Rocker Udo Lindenberg wird 80: Der Greis ist heiß!

Bands & Leute Porträt

Die Karriere von Udo Lindenberg begleite ich nun schon seit knapp 50 Jahren – in guten wie in schlechten Zeiten. Konzerte, Interviews, Treffen mit Fans, eine Fahrt im Sonderzug nach Pankow und Anstoßen mit Eierlikör auf hoher See – all das und noch viel mehr habe ich mit Udo Lindenberg erlebt. Die Begegnungen sind immer großes Kino und machen viel Spaß. Unglaublich, welche Energie dieser Mann besitzt. Anfang Mai 2026, kurz vor seinem 80. Geburtstag habe ich ihn zur Eröffnung des UDOVERSUMS zuletzt in Hamburg live erlebt. Fit wie immer. „Der Greis ist heiß“, um einen seiner Songs zu zitieren. Hut ab, Udo! Stoßen wir an mit lecker Eierlikör …

Unsere Beziehung begann mit einem lauten Knall. Wir schreiben den 7. April 1979 und Udo Lindenberg ist mit seiner „Dröhnland Symphonie“ auf Tournee. Inszeniert hat das Rock’n’Roll-Spektakel Peter Zadek, Produktionskosten rund 1,3 Millionen D-Mark. Über 90.000 Besucher hatte die Show bei den ersten 15 Terminen. Augsburg stand bei der Fortsetzung der Tour an 15. Stelle, drei Termine sollte es danach noch geben.

Kurz nach 18 Uhr. Die Bühne in der Augsburger Sporthalle ist fast komplett aufgebaut. Dann der Knall. Eine Scheinwerferkette gerät in sieben Metern Höhe aus der Balance und schwankt. Die Stahlgestelle, die die Traverse mit den Lampen links und rechts halten, knicken ein und fallen auf die Bühne. Ein Boxenturm der P.A.-Anlage wird mitgerissen. Zum Glück passiert den Technikern und Bühnenarbeitern nichts. Nach kurzer Diskussion steht fest: Der Schaden ist zu groß, die Sicherheit nicht gewährleistet. Das Konzert muss ausfallen. Auch die Bemühungen des Veranstalters, die Show am folgenden Tag nachzuholen, scheitern. Das war also mein erstes Udo Lindenberg-Konzert…

Ein Jahr später sitze ich im Herbst in derselben Sporthalle mit Helen Schneider in der Garderobe oder besser gesagt Umkleidekabine – schließlich wird hier ja hauptsächlich Sport getrieben, da ist die Ausstattung nicht so luxuriös. Udo hat gerade den Film „Panische Zeiten“ produziert. Helen Schneider hat er in New York entdeckt, er nimmt sie mit auf Tour und sie singen gemeinsam eine mitreißende Ballade: „Baby, wenn ich down bin.“ Die attraktive Sängerin darf den Detektiv Coolman aufbauen, wenn er mal durchhängt. Mein zweites Udo-Konzert hinterlässt bleibende Eindrücke, an denen Helen Schneider großen Anteil hat …

Die nächste Begegnung mit Udo habe ich 1983. Im Interview sagt er: „Ich fühl‘ mich als eine Art Daniel Düsentrieb. Ich habe den Weg gefunden, deutsche Sprache für Rockmusik populär zu machen. Nach der Nazisauerei hat’s Deutschland die Sprache verschlagen. Meine Songs ergeben unter dem Strich eine oppositionelle Haltung in Sachen Rüstung.“ Die neue Show und das neue Album heißen „Odyssee“. Auch der „Sonderzug nach Pankow“ gehört zum Programm. Er tourt nun mit Gianna Nannini.

Zeitsprung: 2. Dezember 2011, Paradiespark Jena in Thüringen. 50.000 Besucher kommen zur Veranstaltung „Rock’n’Roll Arena Jena – Für die bunte Republik Deutschland“, um gegen rechte Gesinnungen zu rocken. Innerhalb von zwei Wochen wird das Festival aus dem Boden gestampft. Neben Udo treten Peter Maffay, Silly, Clueso, Julia Neigel und Toni Krahl auf. Ich bin für den Mitteldeutschen Rundfunk als Fotograf und Radio-Reporter dabei.

Eines meiner schönsten Erlebnisse mit Udo und seiner Panikfamilie war die Zeit auf dem Kreuzfahrtschiff „Rockliner 4“ vom 29. April bis 5. Mai 2016. Eine Woche lang fast nonstop Konzerte auf hoher See. Nicht nur von Udo selbst, sondern auch von Josephin Busch, Norman Keil, Alexa Feser oder Deine Cousine. Geschlafen habe ich wenig. Aber das hatte mir Arno Köster, der Mann mit dem Pferdeschwanz, der immer hinter Udo steht, ja vorhergesagt.

Arno ist mein Verbindungsmann zu Udo. Er hat schon vieles möglich gemacht. Zum Beispiel, dass Udo Lindenberg mir ein großformatiges Bild für meine Ausstellung signiert. „Versprechen kann ich nix, schau‘ halt mal vorbei“, hatte Arno gesagt. Ich packe also das 80 mal 120 Zentimeter große Porträt ins Auto und lasse es am 10. September 2015 nach Baden-Baden bringen, wo Udo eine Pressekonferenz gibt. Und es klappt. Arno hält das Bild, während Udo schreibt: „NO PANIC. Udo Lindenberg. Never too old to Rock’n’Roll and too young to die.”

Während der Corona-Pandemie konnte ich nur wenige Künstler face to face interviewen. Udo erlaubte mir ein Interview mit Test und Maske im Hotel Atlantic in Hamburg zu seinem 75. Geburtstag. Es herrschte eine gespenstische Atmosphäre. Einziger Dauer-Bewohner in dieser Zeit ist Udo Lindenberg. Ich bekam zwar auch ein Zimmer, aber ohne Service. Zum Frühstück stand ein Care Paket vor der Tür. Udo ließ sich wie immer Zeit. Das Interview fand weit nach Mitternacht an der Hotelbar statt – mit Abstand, versteht sich.

Geboren wurde Udo Lindenberg am 17. Mai 1946. Oder doch nicht? „Ich lebe als freischwebende Panik-Nachtigall. Man weiß gar nicht so genau, wann das war, als ich in Gronau von einem Meteoriten über dem berühmten Doppelkornfeld abgerutscht bin. Die Geschichtsschreiber waren so besoffen, sie wussten weder Tag noch Jahr … deswegen bin ich wahrscheinlich schon 97 oder auch erst 52“.

Typisch Udo!

Irgendwann hat sich die Mehrheit aber darauf geeinigt, dass Udo am 17. Mai 2026 seinen 80. Geburtstag feiert. Es gibt ein Tribute-Album mit dem Titel „We love Udo“, auf dem auch jüngere InterpretInnen wie Elif, Alli Neumann, Zoe Wees oder Michael Schulte Udo in verschiedensten Facetten interpretieren.

In der ARD-Mediathek ist eine sehenswerte Doku abrufbar: „UDO Rebell. Rockstar. Ikone“.

Und im Hamburger „Stilwerk“ bekommt man im „UDOVERSUM“ auch einen umfangreichen Einblick in das malerische Schaffen Lindenbergs. Es werden bekannte Motive und einige bisher unveröffentlichte Exponate gezeigt – und natürlich die berühmten Likörelle. Hier spürt man, dass die Malerei für Udo einen ebenso großen Stellenwert wie die Musik hat. Die Erläuterungen zur Ausstellung bekommt man über einen Audioguide. Neben den Gemälden und Fotos sind Kostüme, Bühnenmodelle, Konzertplakate, Plattencover und vieles mehr zu sehen.

Ich durfte bei der Eröffnung dabei sein und war wirklich überrascht, als Udo nur begleitet vom Jean-Jaques Kravetz an den Tasten vier Songs zwitscherte, garniert mit lockeren Sprüchen. Wäre schön, wenn die Nachtigall nochmal auf Tour gehen würde. Muss ja nicht ne große Halle sein. Intim im Bombig wäre auch okay. Und auf Hut natürlich …


Werner G. Lengenfelder

„Der Pop Papst“ Werner G. Lengenfelder ist seit fast 50 Jahren als Musikredakteur für Radio, Print und Social Media tätig. Er hat weit über 1.000 Konzerte besucht und hunderte Künstler interviewt.

Nach einer Ausbildung zum Zeitschriftenredakteur wirkte er Ende der 1980er-Jahre am Aufbau mehrerer Radiostationen in Bayern mit. Als Berater war er für Hörfunksender in Deutschland, Österreich und Südtirol tätig. Von 1992 bis 2026 arbeitete er als freier Mitarbeiter für MDR THÜRINGEN – Das Radio. Als Foto-Journalist ist er auf Konzert- und Künstlerfotos spezialisiert.

Werner G. Lengenfelder wurde am Valentinstag 1960, einem Sonntag, in München geboren. Er ist verheiratet und lebt in Gersthofen.

Bildrechte: Bernd Müller

1 thought on “Panik-Rocker Udo Lindenberg wird 80: Der Greis ist heiß!

  1. Ich bin froh, dass ich wenigstens ein Mal ein Udo-Konzert erleben durfte. Ist jetzt auch schon zehn Jahre her, da war Udo gerade 70 geworden. Das war eine Wahnsinnsshow mit Action bis unters Dach der Olympiahalle. Vielleicht schaffen wir es ja dieses Jahr noch nach Hamburg auf einen Besuch ins Udoversum. Und auf einen Eierlikör natürlich.

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