Ersatzkabel, geladene Akkus, ein sauberer Techrider – oft entscheiden kleine Dinge darüber, ob ein Auftritt reibungslos läuft oder im Stress endet. Vier aktive Musikerinnen und Musiker aus der KUKI-Familie erzählen, welche Basics ihnen im Bandalltag helfen – im Proberaum, beim Soundcheck und auf der Bühne. Ein Dreiteiler über das, was Auftritte wirklich trägt.
Es ist spät am Nachmittag im Bombig. Die Band baut gerade auf, und irgendetwas stimmt nicht. Der Gitarrist steht ratlos vor seinem Pedalboard, das Signal kommt nur bruchstückhaft an – ein Kabel, stellt sich heraus. Zehn Minuten später ist das Problem gelöst, weil jemand ein Ersatzkabel dabeihat. Kein Drama, kein ausgefallenes Set.
Erst, wenn etwas schiefläuft, rücken die Dinge in den Fokus, die sonst unsichtbar bleiben: Kabel, Strom, Stative, Monitore, Abläufe.
Wer sucht, hat verloren
Oli Shitstrøm spielt Rhythmusgitarre bei Full Device und arbeitet als Mischer im Bombig – er kennt beide Seiten. Seine Ausrüstung hat er über Jahre immer weiter optimiert. Die Liste dessen, was er als unverzichtbar bezeichnet, klingt zunächst wenig spektakulär: Kabel auf Trommeln, nach Längen sortiert und beschriftet. Ersatzbatterien. Ein Klebebandset. Ein Edding.
„Wenn man weiß, wo welche Kabel sind, geht alles wesentlich schneller“, sagt er. So einfach ist das.
Dass er außerdem immer eine zweite Gitarre und einen Clip-Tuner dabeihat, erklärt er mit Erfahrung. „Einmal hatte ich keine Ersatzplektren parat“, erzählt er. „Und natürlich ist mein Plektrum runtergefallen und zwischen Kabeln verschwunden.“
Ein anderes Mal riss ihm auf der Bühne eine Saite – ohne Ersatzgitarre. Zum Glück hatte der andere Gitarrist eine zweite dabei.
Vorkonfiguriert ist halb gewonnen
Sabrina Kisslinger, Sängerin und Gitarristin bei KissMan, hat diesen Ansatz konsequent weitergedacht. In einem Koffer liegt ihr Pedalboard vorkonfiguriert bereit, darin findet man auch Capo, Multitool, Ersatzpatchkabel, Pullmoll oder Gelo Revoice, um den Hals mal kurz zu pflegen. Sogar Papiertaschentücher für die laufende Nase kurz vor dem Auftritt sind dabei.
„Das Zeug wandert nie raus“, sagt sie.

Für Auftritte hat sie Cases fix vorbereitet. Ob plugged oder unplugged – je nach Gig greift sie einfach zum passenden Set-up.
Für alles Wichtige gibt es einen Plan B
Nadja Hadek ist Sängerin und Gitarristin bei Who of Us, Freewheelin’ Franklin und Ruff Country. Sie arbeitet mit einer festen Gig-Checkliste. Am Nachmittag vor jedem Auftritt geht sie diese zweimal durch.
Der Effekt: Sie kann sich kaum an Situationen erinnern, bei denen ihr auf der Bühne wirklich etwas Wesentliches gefehlt hätte. „Aber ich habe es nicht nur einmal erlebt, dass dem Gitarristen eine Saite reißt und er kein Ersatzinstrument hat“, sagt sie. „Das ist einfach unnötiger Stress auf der Bühne.“
Ihr Mikrofonständer ist übrigens längst mehr als ein Stativ – und mit einem Getränkehalter bestückt, damit sie sich nicht nach einem Getränk am Boden bücken muss. So kann sie auf der Bühne auch mal ein enger geschnittenes Kleid oder einen Rock tragen. Eine Ersatzstrumpfhose ist dann selbstverständlich auch dabei.

Lieber dabeihaben und nicht brauchen
Nicht Budget oder Erfahrung sind entscheidend, sondern das richtige Mindset: lieber schleppen als scheitern. Für Sabrina ist das selbstverständlich:
„Wenn ich oder die Band nicht mehr spielen kann, finde ich das echt uncool. Man hat ja schließlich eine Verantwortung gegenüber dem Veranstalter und dem Publikum.“ Mit kompakten Pedalboards und leichten Back-up-Geräten sei es heute ohnehin einfacher geworden, das nötige Ersatzmaterial mitzunehmen.
Karina Bschorr, Sängerin bei Ruby Fruit, bringt es so auf den Punkt: geladene Ersatzakkus, Netzteile, die nicht brummen – und der Abend läuft.
Ordnung ist kein Selbstzweck
Doch bevor es zum Gig geht, wird geprobt. Im Kulturpark West teilen sich oft mehrere Bands einen Proberaum. Nadja seufzt, wenn das Thema zur Sprache kommt: „Ordnung im Proberaum – Dauerbrenner!“
Kabel auf beschrifteten Trommeln und Equipment, das nach der Probe wieder am richtigen Platz liegt, klingt banal. Tatsächlich ist es Ausdruck von Respekt gegenüber allen, die den Raum nutzen.
Oli empfiehlt, den Auf- und Abbau regelmäßig im Proberaum zu üben – am besten bei jeder Probe. Regelmäßiges Üben zeigt früh, wo das Set-up noch Lücken hat, und spart am Gig-Tag wertvolle Minuten.
Bühnenreife beginnt im Proberaum
Eine weitere Möglichkeit, den Proberaum zur Vorbereitung zu nutzen: Freunde zur Probe einladen. Nicht, um sich beurteilen zu lassen, sondern um ein Gefühl für Auftrittssituationen zu bekommen.
Schon ein paar Zuhörer verändern die Atmosphäre. Was im leeren Proberaum souverän erscheint, kann plötzlich steif wirken. Besser, man merkt das dort, als auf der Bühne.
Sabrina erinnert an einen Punkt, der häufig übersehen wird: Auch Ansagen und Übergänge wollen geprobt sein. „Man kommt sich dabei zwar echt bescheuert vor, aber spontane Witze gehen halt auch gern mal nach hinten los.“
Das gilt ebenso für Körpersprache. Wer im Proberaum ständig aufs Instrument schaut, wird es auf der Bühne kaum anders machen. Blickkontakt, ein paar Schritte, authentische Ansagen – all das lässt sich üben.
Der Techrider – die Visitenkarte der Band
Ein vollständiger, aktueller Techrider ist eines der wichtigsten Dokumente für Veranstaltungstechniker. Fehlt er, geht wertvolle Zeit verloren.
„Wenn ich am Nachmittag erst allen technischen Infos hinterherrennen muss, um mein Pult zu belegen, fehlt die Zeit beim Soundcheck“, sagt Oli aus seiner Mischerperspektive.
Im Bombig liegt bei vorliegendem Techrider ein Belegungsplan aus. Jede Musikerin und jeder Musiker sieht sofort, in welchen Eingang der Stagebox das eigene Kabel gehört.

Sabrina ergänzt: Ein Techrider nützt nur, wenn er Teil der eigenen Vorbereitung ist. „Überleg dir dein Set-up genau und probier aus, wie und ob alles funktioniert.“ Den eigenen Aufbau beschreiben zu können heißt, ihn zu kennen.
In den meisten Clubs gilt: Alles bis zur Stagebox ist Sache der Band. Dazu gehört nicht nur das eigene Gesangsmikro, sondern im Zweifel auch ein Abnahmemikrofon für den Amp.
Im zweiten Teil geht es um den Auftrittstag selbst: „Showtime – Technik und Ablauf beim Gig“.

Benny Lück
Als ich zur Welt kam, grüßte Desmond Dekker mit „Israelites“ von Platz eins der deutschen Charts, 38 Tage später begann das Woodstock-Festival – musikmäßig ging’s also schon mal ganz gut los. Meine weitere musikalische Sozialisation ist schnell erzählt: leiernde Kassetten, Disco, Schlager der Woche, „TNT“ in brüllender Lautstärke auf dem Jungsklo der Hauptschule, bis der Hausmeister dem Spuk ein Ende setzte – so was eben. Heute schraddle ich auf meiner Larrivée L-03. Nicht auf irgendwelchen Bühnen, nur bei uns zu Hause, weshalb mich meine Frau auch schon als „Sofagitarrist“ bezeichnet hat. Und ich darf für den KUKI Express schreiben. Toll!



