Die aufmerksamen Leser unter euch kennen mich ja schon von Jochen „Joe“ Cantners Artikel über meine Band KissMan. (Nachzulesen hier und hier.) Wer mich nicht kennt – ich bin Sängerin und Rhythmusgitarristin der AOR-Rockband KissMan aus München. Wir haben vor ziemlich genau einem Jahr das Licht der Welt auf den Bühnen dieser Welt erblickt. Und dazu gehört mein Debüt als Sängerin. Ich habe vorher in diversen Bands Gitarre und Bass gespielt und kam dann durch externe Einflüsse zum Gesang. Und ein Thema, das mich in diesem Zusammenhang nach wie vor sehr stark beschäftigt, ist das Lampenfieber. In diesem Artikel möchte ich euch einen Einblick in meinen Umgang damit geben.
Lampenfieber – warum heißt das eigentlich so? Laut „Frag die Maus“ ist es so: Im Theater sprach man früher vom „fièvre de rampe“, dem Rampenfieber, wenn Schauspieler aufgeregt waren. Rampe war ein Fachwort für die Vorbühne – dem Teil hinter dem Vorhang. Und fièvre ist nicht nur das Wort für Fieber, sondern auch für Erregung. Wenn also Schauspieler aufgeregt waren, dann hatten sie Rampenfieber. Sie fingen an zu schwitzen, wussten ihren Text nicht mehr. Früher schwitzten die Schauspieler aber auch aus einem anderen Grund: Es gab richtig heiße Gaslampen im Theater. Und selbst wenn jemand nicht so dolle aufgeregt war, wurde ihm durch die Beleuchtung so heiß, dass manchen schwummrig wurde – man bekam Lampenfieber … (Quelle: https://www1.wdr.de/radio/wdr2/themen/frag-doch-mal-die-maus/warum-heisst-das-lampenfieber-so-102.html).
Aber warum habe ich Lampenfieber? Nicht wegen der heißen Lampen, sondern weil die Situation als Sängerin auf der Bühne komplett neu für mich ist. Ich habe während meines Studiums und in meinem Berufsleben schon sehr viele Präsentation gehalten, in Deutsch oder Englisch, das war mir schnell egal. Es hieß auch oft „Sabrina, mach du das!“ und oft ging das so fix, dass ich nicht widersprechen konnte. Da konnte ich mich mental also gar nicht drauf vorbereiten.
Anders beim Gig …
Da vergehen Monate, Wochen und Tage, und dann ist er da, der große Tag … und dann möchte ich liefern!! Und da ich einen sehr hohen Anspruch an mich selbst habe, macht es das nicht einfacher. 😉
Da Organisation mein Steckenpferd ist, ist der Plan nicht weit … Ich versuche, alles bestmöglich vorzubereiten, um das Lampenfieber im Griff zu behalten. Welche Aspekte sind für mich als Sängerin wichtig? Diese zum Beispiel:
- Stimme
- Songs
- Outfit
- Equipment
Ihr merkt schon, ein großer Teil (wenn nicht alles) geschieht vor dem Auftritt. Und auch vieles davon im Kopf. Vor ca. drei Jahren habe ich angefangen, Gesangsunterricht zu nehmen, um die Technik des Rockgesangs von der Pike auf zu lernen. Ich möchte entspannt verschleißfrei singen und mich nicht quälen. Und weil ich Rockmusik singen möchte, bin ich zu Stefan Erz in München gegangen. Der bringt mir nicht nur die Technik bei, sondern dazu noch etwas mehr: Authentizität, Charisma, Performance und was sonst noch so dazu gehört. Auch die Konzertreflektion ist ein großer Teil meiner Ausbildung.
Es reicht aber nicht, nur in den Unterricht zu gehen … Verdammt, ja: Es muss zuhause geübt werden! Herrlicherweise (Achtung Ironie!) wohne ich in einem sehr hellhörigen Mehrparteienhaus – super! Genau das, was meine Anfängerseele braucht. Üben ist nun mal nicht immer schön … Wie ich mit komischen Kommentaren umgehe („Da warst aber laut“, „Das Lied gefällt mir mal gar nicht“ usw.)? Es darf mich einfach nicht interessieren, was irgendwelche Nachbarn sagen (außer, wenn sie berechtigterweise von Ruhestörung sprechen, falls ich um 2 Uhr morgens üben sollte 😉). Aber das ist einfacher als gesagt als getan …
Abgesehen vom Üben daheim bereite ich mich auch im Proberaum vor. In Anwesenheit meiner Bandkollegen kann ich mich einigermaßen entspannen: Die kennen mich. Und es geht ja ums Zusammen-Üben und Zusammen-Spielen. Vorbereitet wird zuhause, und im Proberaum wird so gut wie möglich abgeliefert.
Da kommt auch schon der nächste Punkt: Ich stehe als Sängerin vorne. Deshalb gehört es zu meinem Job, Ansagen zu machen und den Abend zu moderieren. Hui … Spontane Witze fallen mir sowieso nicht ein (geschweige denn, dass ich mich überhaupt an irgendwelche erinnern kann), also muss auch das geprobt werden. Ich überlege mir deshalb zuhause, zu welchem Zeitpunkt in der Setlist ich was sagen möchte. Und vor allem nicht nur dass ich etwas sagen möchte, sondern auch was – also den Inhalt, die Story: Zu welchem Song habe ich eine persönliche Geschichte? Das hat mir sehr geholfen, Ansagen zwischen den Songs zu machen. Mal ausführlicher, mal mit weniger Text.
Dann muss ich als Sängerin noch wissen, wann die Bandkollegen Instrumente wechseln, denn da sollte schließlich keine Stille sein. Aber die Geschichte vom Pferd will da auch keiner hören. Und wann labert man zu viel? Deswegen: Test in der Probe. Feedback von den Bandkollegen einholen. Und ja, ich komme mir total bescheuert vor, wenn ich in der Probe Ansagen übe, doch nach einem Jahr bekomme ich mehr Routine und kann auch mal spontaner auf der Bühne werden. Es hilft also! Und da hätte ich einen Tipp: Geht beim Üben mit euren Bandkollegen offen mit eurer Unsicherheit um. Im ersten Moment wird viel Gelächter kommen, wenn ihr Ansagen übt (ihr redet ja quasi gegen die Wand) – aber vergesst nicht, über euch selbst zu lachen! 😉
Und dann kommt noch der Kopf selbst hinzu: Je näher der Auftritt rückt, desto mehr schwirren Gedanken rum wie „Was ziehe ich an, womit fühle ich mich wohl, was schaut nicht bescheuert aus?“ Ja, ich bin unsicher, das gebe ich zu. Deswegen habe ich jemanden gefragt, der besser einschätzen kann, womit ich gut aussehe. Nutzt eure Partner, Freunde, Bekannten – Feedback hilft ungemein! Und nach viel Input und viel Ausprobieren kommt man dann auch dahin, dass man sich wohlfühlt. Denn: Die Bühne ist nicht der Dayjob! Das abgetragene T-Shirt, das ich im Home-Office anziehen kann, weil ich eh keine Meetings habe, ist nicht das, was auf die Bühne gehört! Stylt euch! Überlegt euch Bühnenoutfits! Es muss nicht jeder das gleiche Shirt anziehen, aber was ist euer Outfit? Wenn ihr zu einem Konzert geht, stylt ihr euch doch auch! 😉

In meiner Rolle als Sängerin/Rhythmusgitarristin kommt dann noch die Synchronisation von Gesang und Gitarrenarbeit dazu. Mittlerweile habe ich gelernt, dass ich erst beide Instrumente separat vorbereiten muss, bis zu dem Level, dass ich mich je zu 80 % im Song und Rhythmus auskenne. Dann kann ich beides zusammenführen. Und steige leider dann nicht bei den 80 % ein, sondern eher bei 60–70 % … Und wenn ein Song so gar nicht klappen will, muss ich zu 100 % blind eines der beiden Instrumente beherrschen, damit ich mich auf das jeweilige andere konzentrieren kann, das komplexere Strukturen und mehr Aufmerksamkeit erfordert. Hier kommt dann die regelmäßige Wiederholung in der Probe und beim Gig dazu. Irgendwann wird der gefühlte „Endgegner“ zum Freund und der Song läuft … Zu dem Zeitpunkt merke ich, dass ich aber vorher den Song einfach nicht verstanden hatte. Entweder im Text, im Sinn, im Ablauf, im Rhythmus oder wo auch immer. Erst, wenn ich den Song richtig in allen Facetten verstanden habe, dann läuft er wirklich gut, ohne dass ich nachdenken muss.
Und dann kommen wir in den Moment des Genießens. Schließlich und endlich wird mehr Raum im Kopf frei, um das Publikum zu beachten, mit den Bandmitgliedern Show zu machen und sich im Song fallen zu lassen. Manchen fällt das alles mit Sicherheit leichter, aber ich habe erst im Alter von 35 Jahren angefangen, mich mit der Rolle des Sängers zu beschäftigen und mit 38 den ersten Gig als solche gespielt – das vorherige Leben kann man nicht löschen und bis dahin haben viele Einflüsse, Erlebnisse und Schicksale deinen Charakter geformt. Den kann man nicht von jetzt auf gleich ändern. 😉
In diesem Sinne: Lampenfieber ist normal … findet euren Weg! Meiner lag in der akribischen Vorbereitung der Songs und der Umsetzung meiner Vorstellung der Rolle als Sängerin.




