Werner Lengenfelder hat mit Gitarrist Steve Lukather und Keyboarder Steve Porcaro über den legendären Toto-Song gesprochen.
Gitarrist Steve Lukather ist ein funny guy, der schon mal einen raushaut. So erklärte er einst auf seiner Homepage, dass der Bandname Toto seinen Ursprung bei einem Eingeborenenstamm am Fuße des Himalayas hat. Was natürlich Quatsch ist. Deswegen muss ich beim Interview mit ihm am 21. Februar 2018 im Hyatt Regency Hotel in Düsseldorf auch genau aufpassen. Ob die Geschichte stimmt, dass er sich beim Besuch des Münchener Oktoberfestes hinter einem Bierzelt wegen übermäßigen Bierkonsums in die Hose gepinkelt hat, als die Polizei auftauchte? Keine Ahnung! Zum Glück ist auch sein Band-Kollege Keyboarder Steve Porcaro dabei, der mehr Ernst mitbringt – und pünktlich erscheint. Auf „Luke“, wie Steve Lukather kurz genannt wird, warten wir eine ganze Weile … Aber das mache ich gerne für ein Treffen mit einer Legende.
Toto hatten 1978 ihren ersten Hit mit „Hold the line“. Als Diskjockey habe ich die Rock-Nummer gerne aufgelegt, sie war ein Tanzflächenfüller. Auch „Africa“ oder „Rosanna“ aus dem legendären Album „Toto IV“ liefen super in der Diskothek.
Als Luke dann schließlich auch auftaucht, kann das Interview losgehen.
Ich: Also lasst uns gleich mal über „Africa“ reden …
Steve Porcaro: Ich mochte den Song nicht. Ich wollte nicht, dass er aufs Album kommt. Luke, du stimmst doch zu?
Steve Lukather: Die Musik war cool, aber ich wollte den Text nicht …
Steve Porcaro: Wir haben hart an der Nummer gearbeitet, viel Zeit dafür verwendet. Es war der letzte Titel auf dem Album und im Übrigen der einzige Nummer-Eins-Song für Toto in den USA.
Ich: Wie klingt ein typischer Toto-Song?
Luke: Als wir „Toto IV“ aufgenommen haben, war „Rosanna“ die beste Kombination von allem, was uns ausmacht, in einem Song. Da haben wir unsere Nische gefunden.
Steve Porcaro: Auch „Spanish sea” (neu veröffentlicht auf dem 2018er-Album „40 Trips around the Sun“) ist ein typischer Toto-Song. Jeder von uns kann hier glänzen, er hat ein einzigartiges Arrangement. Mein Bruder Jeff spielt Schlagzeug …
Luke (und dann haut er wieder einen raus): David (Paich) macht da einen auf Brian Wilson (Beach Boys-Legende) …
Steve Porcaro: … Und genau das macht ihn zu einem Toto-Song. So ein bisschen Strand … (beide lachen laut)
Luke: Und da soll nochmal einer sagen, wir können das nicht. Wir haben’s getan!
Ich: Spaß bei Seite, was bedeutet es, auf Tour zu sein?
Steve Porcaro: Du bist eine lange Zeit allein unterwegs. Die Fans sehen die zwei Stunden auf der Bühne. Aber das Reisen, die Einsamkeit im Hotelzimmer, die Trennung von der Familie – all das ist ein sehr anstrengendes Leben.
Ich: Ihr wart beide an „Human Nature“ von Michael Jackson beteiligt. Erzählt …
Steve Porcaro: Wir waren gerade mit dem letzten Mix für „Toto IV“ beschäftigt, also „Africa“. Ich war auf dem Weg, um meine Tochter zu besuchen. Sie hatte einen unschönen Tag in der Schule, ein Junge hatte sie gestoßen und sie war sehr durcheinander. Sie fragte mich, warum er das getan hat. Auf dem Weg ins Studio dachte ich darüber nach. Als ich ankam, setzte ich mich ans Piano und schrieb die Musik zu „Human Nature“.
Luke: Steve Porcaro sagte dauernd „Mach das funky, mach’s einfach funky“. Ein Steve-Porcaro-Song und funky? Ich hab‘ das in meinem Kopf gehört und okay, dann hab ich’s halt funky gemacht.
Steve Porcaro: Luke hat die Nummer schließlich zu einem-Michael Jackson-Song gemacht.
Epilog
Das Treffen mit Steve Lukather und Steve Porcaro hat viel Spaß gemacht. Tags darauf war ich dann in der Münchener Olympiahalle beim Konzert von Toto. Der Sound ließ leider zu wünschen übrig.
Den ehemaligen Lead-Sänger Bobby Kimball habe ich übrigens auch live erlebt, zusammen mit Leslie Mandoki und seinen Soulmates am 6. März 2017 in Berlin im Konzerthaus. „Hold the line“ gab’s im Zugabenblock. Da war der Sound perfekt und Bobby Kimball bei Stimme, was nach Kollegenberichten später nicht immer der Fall gewesen sein soll. Da Bobby Kimball an Demenz leidet, tritt er schon seit einigen Jahren nicht mehr öffentlich auf.
Steve Lukather tourt nach wie vor mit Toto, Steve Porcaro hat die Band 2019 verlassen. Von den Gründungsmitgliedern gehört noch Keyboarder David Paich zur aktuellen Besetzung, die im Sommer 2026 in den USA und Kanada unterwegs ist. Europa- und Deutschlandtermine sind derzeit nicht bekannt.




Werner G. Lengenfelder
„Der Pop Papst“ Werner G. Lengenfelder ist seit fast 50 Jahren als Musikredakteur für Radio, Print und Social Media tätig. Er hat weit über 1.000 Konzerte besucht und hunderte Künstler interviewt.
Nach einer Ausbildung zum Zeitschriftenredakteur wirkte er Ende der 1980er-Jahre am Aufbau mehrerer Radiostationen in Bayern mit. Als Berater war er für Hörfunksender in Deutschland, Österreich und Südtirol tätig. Von 1992 bis 2026 arbeitete er als freier Mitarbeiter für MDR THÜRINGEN – Das Radio. Als Foto-Journalist ist er auf Konzert- und Künstlerfotos spezialisiert.
Werner G. Lengenfelder wurde am Valentinstag 1960, einem Sonntag, in München geboren. Er ist verheiratet und lebt in Gersthofen.
Bildrechte: Bernd Müller

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