Stephan "Baffy" Jedamus

Keys mit Baffy (Teil 2): Roland D-50

Instrumente Keys

Der Roland D-50 ist ein weiterer prägender digitaler Synthesizer aus den späten 80er- und frühen 90er-Jahren, berühmt für seine Mischung aus Samples und subtraktiver Synthese – die sogenannte LA-Synthese (Linear Arithmetic). Er erschien 1987 und wurde schnell zu einem direkten Gegenpol zum in dieser Ära dominierenden Yamaha DX7. Der Klang des D-50 ist warm, atmosphärisch, oft „fantasievoll“ genannt – und bis heute leicht erkennbar.

Connections

Wer A sagt muss auch B sagen. Und wer in diesem Sinne einen DX7 sein eigen nennen konnte, bildete sich schnell auch einen D-50 nach dessen Markteinführung ein. Und nach unzähligen, heutzutage sicherlich als unwürdig geltenden Frondiensten als Student stand meiner endlich da – schwarz und glänzender als der schon etwas abgenutzte DX7 darunter. Die Szene wurde mystisch – manch Nichtgläubiger würde behauptet haben eher schwächlich – beleuchtet durch das spartanische grüne Dot-Display. Und damit konnte die „Andacht“ beginnen. Dem Status als Student ist es auch zu verdanken, dass dieser D-50 später verkauft wurde, um sich einen D-70 leisten zu können. Aber das ist eine andere Geschichte, schalten Sie auch die nächste Folge wieder ein, wenn es heißt …😉

Technische Kurzbeschreibung des Roland D-50

•             LA-Synthese: Kombination aus kurzen PCM-Samples (Attack Phase) und synthetischen Wellenformen (Sustain Phase) → dadurch wirken Klänge realistischer und lebendiger als reine FM-Sounds.

•             16-stimmig, 61 Tasten, Aftertouch, Pitch/Mod Joystick

•             Digitale Effekte integriert: Chorus, Hall, Delay – damals revolutionär

•             Filter: digitales Tiefpassfilter mit Resonanz

•             Struktur: Ein Patch besteht aus zwei „Tones“, jeder Tone aus zwei „Partials“ → Partials können PCM-Sample oder Synth-Oszillator sein

•             Joystick zur Klangmischung und Modulation

•             Optionaler PG 1000 Programmer mit 56 Fadern für komfortables Editieren

Stärken

•             Sehr charakteristische, warme digitale Flächen

•             Integrierte Effekte (großer Vorteil gegenüber dem DX7)

•             Leichter zu programmieren als FM-Synthese

•             Großes Display + Joystick für bessere Bedienung

•             Legendäre Presets, die sofort inspirieren

Schwächen

•             PCM-Samples sind nur 8 Bit → Attack Samples wirken heute etwas „körnig“

•             Manche Presets wurden überstrapaziert (ähnlich wie DX7 E-Piano)

•             Hardware-Alterung: Tasten Kontakte, Display Helligkeit

•             Ohne PG 1000 (ein Pad mit vielen Reglern) ist tiefes Editieren möglich, aber nicht komfortabel

Typische Einsatzbereiche des Roland D-50

•             Fantastische Pads (warm, schimmernd, „breit“)

•             Atmosphärische Flächen – oft mit Chorus und Hall

•             Digitale Glocken & Pizzicato Sounds

•             Synth Strings

•             Hybrid Leads mit Sample Attack

Das berühmteste Preset ist „Fantasia“, außerdem „Digital Native Dance“, „Pizzagogo“ (Enya!) und viele cineastische Flächen.

Roland D-50 Klassiker

Der D-50 dominierte den Sound der späten 80er und frühen 90er, z. B.:

•             Enya – nutzte das ikonische „Pizzagogo“ Preset (z. B. Orinoco Flow)

•             Jean Michel Jarre – setzte ihn intensiv auf „Revolutions“ ein

•             Bei Vince Clarke, Gary Numan, Rick Wakeman, Duran Duran immer mit am Start

•             Auch in New Age, Synth Pop, R&B, Filmmusik extrem verbreitet

Sein Klang war wärmer und organischer als der des DX7, gleichzeitig moderner und „cineastischer“.

Epilog

Absicht oder Zufall? Die Firma Roland brachte mit dem D-50 ein Instrument auf den Markt, das den zu dieser Zeit dominierenden DX7 quasi perfekt ergänzte, was marktstrategisch vermutlich klüger war, als zu versuchen, ihn zu verdrängen bzw. zu ersetzen.

Denn der Roland D-50 brachte genau das mit, was dem DX7 fehlte: Wärme, Atmosphäre und eingebaute Effekte. Während der DX7 mit Prägnanz und Durchsetzungskraft glänzte, öffnete der D-50 die Tür zu breiten Pads, weiten Flächen und warmen Klangfarben, die durch die Kombination aus Samples und Synthese lebendiger wirkten. Einfach erklärt wurde z. B. das Anblasgeräusch von Blasinstrumenten oder das Anstreichgeräusch von Streichinstrumenten, was damals synthetisch kaum produzierbar war, digital gesampelt und dann vor dem eigentlichen künstlichen Sound ausgegeben, was zu der Zeit einen revolutionären „natürlichen“ Sound ergab. Zusammen bildeten beide Instrumente eine perfekte Symbiose: Der DX7 liefert die Struktur – der D-50 den Klangteppich dazu. Zwei digitale Klassiker, die damals auf vielen Keyboard-Ständern als Quasistandard-Set zusammen zu sehen waren.

Da lacht das Sammlerherz: Durch Zufall konnte ich vor Kurzem einen desolaten D-50 im Internet sehr günstig schießen und diesen dann wieder zum Laufen und Glänzen bringen, so dass das hier abgebildete Keyboard mehr aus „historischen Gründen“ original, funktionsfähig und – natürlich – mit dem DX7 vereint auf dem Ständer steht.

Text und Bilder: Stephan „Baffy“ Jedamus
Und hier geht’s zu Teil 1 von Keys mit Baffy: Yamaha DX7.

Mehr zum Roland D-50 auf Wikipedia


Stephan „Baffy“ Jedamus

Baffy ist seit rund 25 Jahren Inhaber des Augsburger IT-Systemhauses Astina und noch viel länger in der Augsburger Musikszene unterwegs. Selber als Musiker (Keyboard) aktiv, besucht er mit Vorliebe kleine, aber feine Konzerte und lässt uns ab und zu mit Fotos und Berichten daran teilnehmen und widmet sich auch der technischen Seite der Musik.


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