Korg M1Stephan "Baffy" Jedamus

Keys mit Baffy (Teil 3): Korg M1

Instrumente Keys

Der Korg M1 ist nach dem DX7 und dem D-50 ein weiterer Meilenstein auf dem Weg der digitalen Synthesizer der späten 80er und frühen 90er. Er wurde 1988 auf den Markt gebracht. Damit kam er also rund ein Jahr nach dem Roland D 50 und wurde schnell zu einer der beliebtesten Synth Workstations aller Zeiten. Der M1 gilt als die erste echte „Music Workstation“, da er Synthese, Effekte und einen Sequencer in einem Gerät vereinte. Sein Klang basiert auf der sogenannten AI Synthese (Advanced Integrated) – einer Kombination aus PCM-Samples und subtraktiver Synthese, was bedeutet, dass aufgenommene Klänge (Samples) als Ausgangsmaterial genutzt und diese anschließend wie bei einem klassischen Analogsynth mit Filtern, Hüllkurven und Modulation weiter geformt werden.

Der M1 entwickelte sich schnell zu einem der meistverkauften Synthesizer dieser Zeit und prägte den Sound der frühen 90er entscheidend mit. Sein Klang wird oft als klar, präsent und sofort produktionstauglich beschrieben.

Connections

Gefühlt alle hatten plötzlich einen M1 – und alle schwärmten davon. Und überall schwanden die Sounds von DX7 und D-50 zugunsten dieses Instruments. Und so wuchs auch mein Wunsch, einen zu besitzen. Aus Budget-Gründen kam meiner aber erst kurz vor Mitte der 90er und war gebraucht. Verwöhnt von Atari und Cubase gefiel und reichte mir aber der auch schon damals eigentlich recht dürftige Speicherplatz (Speicherkarten waren damals unverhältnismäßig teuer) dieser Workstation nicht wirklich. Und mit meinem Einstieg in die Zacherband gab es dann auch schon unmittelbar andere Anforderungen, und so wurde dieser M1 recht bald wieder gegen eine Korg-CX3-Orgel, ergänzt mit einem Dynachord-CLS-Leslie, ausgetauscht.

Technische Kurzbeschreibung des Korg M1

•             AI Synthese (Advanced Integrated): Kombination aus PCM-Samples und subtraktiver Synthese → klarere, „produktionsfertige“ Sounds als bei vielen Zeitgenossen.

•             16-stimmig, 61 Tasten, Velocity + Aftertouch

•             Integrierte Effekte: Reverb, Delay, Chorus, Rotary, EQ – für die Zeit extrem hochwertig

•             Filter: Digitales resonanzloses Tiefpassfilter (einer der wenigen Kritikpunkte)

•             Struktur: Ein „Program“ besteht aus einem oder zwei Oszillatoren; mehrere Programs ergeben eine „Combination“

•             Sequencer integriert: 8-Spur-Sequencer – machte den M1 zu einer kompletten Workstation

•             Großes LC-Display für komfortable Navigation

•             PCM-Wellenformen: Klavier, Orgel, Streicher, Bläser, Synth-Wellenformen, Percussion

Stärken des Korg M1

•             Legendäre Presets, die sofort im Mix funktionieren (M1 Piano, Universe, Organ 2)

•             Erste echte Workstation: Synth + Effekte + Sequencer → komplette Produktionen im Gerät

•             Sehr klare, definierte PCM-Sounds

•             Extrem vielseitig: von House über Pop bis Filmmusik

•             Combinations erlauben komplexe Layer- und Split-Setups

•             Effekte klangen für 1988 außergewöhnlich hochwertig

Schwächen des Korg M1

•             Filter ohne Resonanz, dadurch weniger „analoges“ Sounddesign möglich

•             Begrenzter Speicherplatz nicht nur im Vergleich zu heutigen Workstations

•             Sequencer aus heutiger Sicht sehr rudimentär

•             PCM-Samples teilweise kurz und mit hörbaren Loops

•             Bedienung trotz Display etwas menülastig

Typische Einsatzbereiche des Korg M1

•             House Piano (das berühmte M1 Piano – einer der meistgenutzten Sounds der Musikgeschichte)

•             Universe Pads (schimmernd, sphärisch, sofort wiedererkennbar)

•             Orgel Sounds für Pop und Dance

•             Synth-Bässe und Percussion-Sounds

•             Komplette Produktionen dank integriertem Sequencer

•             Layer-Flächen und digitale Hybrid-Sounds

Das berühmteste Preset ist „M1 Piano 16’“, außerdem „Universe“, „Lore“, „Organ 2“ und viele typische 90er-Dance-Sounds.

Korg M1 Klassiker

Der M1 prägte den Sound der sehr späten 80er und vor allem der 90er wie kaum ein anderes Instrument:

•             Enigma nutzten intensiv die M1 Pads und Flöten

•             Pet Shop Boys, Madonna („Vogue“), Whitney Houston, C+C Music Factory („Gonna make you sweat”) – M1 überall im Studio! In Pop-Produktionen wurde der M1 zum Quasi-Standard

•             House & Dance: Das M1 Piano ist in unzähligen Hits (z. B. „Show Me Love“ von Robin Schulz ist voll von M1 Strings, Pads und Bells; „The Power“ von Snap!, „Ride on Time” von Black Box u. v. m.)

Sein Klang war klarer, moderner und produktionstauglicher als der vieler Konkurrenten und machte ihn zum meistverkauften elektronischen Instrument seiner Zeit.

Epilog

Vermutlich die Firma Korg eine ganze Zeit lang etwas missmutig auf den großen Erfolg bei ihren Mitbewerbern Yamaha und Roland mit dem DX7 und D-50 und schuf so motiviert den M1, der dieses Zweigestirn dann relativ mühelos ersetzte. Nicht nur, dass dieser ein hervorragendes Instrument mit richtig guten Sounds aus beiden Welten, also perkussiv und flächig, war, sondern wie so oft bei den Keyboardern siegte wohl auch die Faulheit 😊. Standen vorher – und mussten natürlich auch entsprechend mit rund 20 kg plus Cases plus Ständer mitgeschleppt werden – oft die zwei oben genannten Keyboards auf den Ständer, so konnte man nun diese mit nur einem Teil, dass nur etwas mehr als die Hälfte an Gewicht hatte, mit entsprechend reduzierten Zubehör fast verlustfrei ersetzen.

Ein extra großer Dank von mir geht hier an Stevie Pritschet (Sänger und Keyboarder von Mental Season), der bei einem unserer Gespräche – zufälligerweise über Keyboards 😅– beiläufig erwähnte, dass er noch einen M1 ungenutzt rumstehen hätte und mir den hier abgebildeten M1 dann überlassen hat, so dass die drei Meilensteine aus dieser Ära nun als kompletter Satz auf dem Sammlerständer stehen. Durch die lange Standzeit „hängen“ noch ein paar Tasten und es braucht eine neue Puffer-Batterie, was ich noch herrichten muss, aber prinzipiell ist auch dieses Gerät noch im guten und gebrauchsfähigen Zustand.

Die drei Meilensteine der 80er – alle auf einem Keyboardständer

Zeit für eine kurze Zusammenfassung der drei bisher vorgestellten Geräte:

Yamaha DX7 (1983)

•             Führte FM-Synthese in den Mainstream ein

•             Extrem erfolgreich (~ 200.000 Stück verkauft)

•             Definierte den Sound der 80er

•             Typisch: E-Pianos, Bells, Bässe

•             Klang: digital, klar, neuartig

Roland D 50 (1987)

•             Nutzt LA-Synthese (Samples + subtraktive Synthese)

•             Klang: warm, atmosphärisch, cineastisch

•             Sehr populär, aber nicht so massenhaft verbreitet wie der DX7

•             Ikonische Presets wie Fantasia, Digital Native Dance

•             Sound der späten 80er

Korg M1 (1988)

•             Erste echte Workstation (Synth + Effekte + Sequencer)

•             AI Synthese (PCM + subtraktive Synthese)

•             Über 250.000 verkauft, damit kommerziell am erfolgreichsten

•             Prägte den Sound der frühen 90er

•             Legendäre Presets: M1 Piano, Universe, Organ 2

DX7, D 50 und M1 haben gemeinsam den Sound der 80er und frühen 90er geprägt. Jeder brachte nach der analogen Ära eine digitale eigene Klangfarbe ein – digitales FM, warme LA-Flächen und auch eine neue, quasi komplette Workstation-Funktionalität.

Zusammen bedeuteten sie einen Umbruch, bildeten also einen echten Meilenstein, weil ihre Konzepte die Latte für viele nachkommende Synth-Entwicklungen höher gelegt haben.

Korg M1 Roland D 50 Yamaha DX7
Stephan "Baffy" Jedamus

Weitere Artikel aus der Serie „Keys mit Baffy“

Hier geht’s zu Teil 1 von Keys mit Baffy: Yamaha DX7
Und hier zu Teil 2: Roland D-50


Stephan „Baffy“ Jedamus

Baffy ist seit rund 25 Jahren Inhaber des Augsburger IT-Systemhauses Astina und noch viel länger in der Augsburger Musikszene unterwegs. Selber als Musiker (Keyboard) aktiv, besucht er mit Vorliebe kleine, aber feine Konzerte und lässt uns ab und zu mit Fotos und Berichten daran teilnehmen und widmet sich auch der technischen Seite der Musik.



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