Ukulele Death Squad; Freibad Lechhausen; UmkleidekabinenHarald Capek

Konzertbericht: Ukulele Death Squad am K!OSK im Freibad Lechhausen

Konzerte

Manche Konzerte vergisst man schnell – andere lassen einen noch Tage später grinsen. Wenn ihr die acht Australier von Ukulele Death Squad noch nie live erlebt habt, solltet ihr diesen Artikel als dringende Warnung verstehen: Ihr verpasst etwas.

Ich wusste, was mich erwartet. Mein erstes Zusammentreffen mit Ukulele Death Squad liegt gut zwei Jahre zurück und fand im Augsburger City Club statt. Laut, wild, fantastisch – so hatte ich es in Erinnerung. Am 23. August 2026 war die Begeisterung beim ausverkauften Auftritt im Rahmen des Augsburger Stadtsommers sofort wieder da. Veranstaltet wurde das Konzert wieder von Karman e.V. Die Energie auf der Bühne war dieselbe – und ich war wieder mittendrin.

Eine Ukulele-Combo? Von wegen!

In welchem Genre Ukulele Death Squad zu Hause ist? Die Antwort liegt irgendwo zwischen Folk, Swing, Brass und einer gehörigen Portion Wahnsinn. Die acht Musiker pflügen unnachahmlich durch Ska, Soul, Latin, Jazz, Balkan-Beat und Rock – manchmal innerhalb eines einzigen Songs. Wer eine gemütliche Ukulele-Combo erwartet, hat komplett falsch gebucht.

Denn die Ukulele ist keineswegs durchgehend das prägende Instrument. Es gibt Momente, in denen Banjo und E-Gitarre die Saitenparts übernehmen, dazu kommen schmetternde Bläser und ein Groove aus Drums und Percussion, der die rund 200 Gäste kaum stillstehen lässt. Die Songs sind dabei unglaublich abwechslungsreich: mal voller Soul, mal wunderschöne Balladen, mal mitreißendes Material zum Tanzen und Mitsingen.

Acht Musiker, unzählige Rollen

Für so viel Energie ist die Bühne im Freibad Lechhausen eigentlich zu klein. Vor allem Matthew „Matty“ Barker, Ashlee Randell und Alice Barker suchen immer wieder die Nähe zum Publikum und treten vor die Bühne, fast auf Tuchfühlung mit den Zuschauern. Ashlee muss ihre Posaune dabei gelegentlich gekonnt um die Mikroständer herumbalancieren. Die Band spielt nicht nur für ihr Publikum, sie zieht es mitten hinein.

Matty ist Dreh- und Angelpunkt der Bühnenshow. Der Mann ist kaum zu übersehen: imposante Gestalt, weißes Hemd, schwarzer Rock und eine Perlenkette um den Hals. Aber Matty ist weit mehr als ein augenfälliger Frontmann. Er kommuniziert mit dem Publikum und verleiht der Show mit Humor ihren ganz eigenen Charakter.

Harald Capek

Was diese Band darüber hinaus besonders macht, ist die Selbstverständlichkeit, mit der ihre Mitglieder die Rollen tauschen. Julian Ferguson wechselt von der Bariton-Ukulele zur Geige, Reuben Legge springt vom Schlagzeug ans Saxofon und liefert dabei ein exzellentes Solo – und singt auch noch großartig. Stephanie „Steph“ Rogers legt ab und zu ihre E-Bass-Ukulele aus der Hand, um ans Gesangsmikro zu treten. Ignacio Larralde sorgt nicht nur als Percussionist für den Groove, er greift auch zum Charango, einem kleinen Saiteninstrument aus seiner argentinischen Heimat. Ben McDermott lässt seinem versierten Spiel auf der Tenor-Ukulele ebenso selbstverständlich fantastische Soli auf der E-Gitarre folgen. Bei allen trifft Virtuosität auf absolute Spielfreude.

Käsekuchen und Perlenkette

Matty hält diese musikalische Vielseitigkeit mit seinem Showtalent zusammen. Im weiteren Verlauf des Sets erzählt er, dass jemand aus dem Publikum der Band heute einen Käsekuchen gebacken hat. Fanliebe, wie sie schöner kaum sein könnte. Matty bedankt sich sichtlich erfreut, und die Bäckerin bekommt einen Extra-Applaus. Absolut liebenswert.

Dann wird es plötzlich ganz still: „Lowlands Away“, ein traditionelles Shanty, erklingt a cappella. Kein Instrument, keine Ablenkung, nur acht Stimmen. Alle Bandmitglieder zeigen, dass sie nicht nur ihre jeweiligen Instrumente meisterhaft beherrschen, sondern auch ausgezeichnet singen können. Die Gesangsharmonien sind zauberhaft, das Publikum lauscht andächtig, und danach gibt es tosenden Beifall.

Ganz anders, aber genauso unvergesslich: „Baby Don’t Fuck With Me“. Matty stellt unter Beweis, wie unverschämt viel Soul in seiner Stimme steckt – und spätestens bei der Rap-Einlage seiner Schwester Alice, die neben ihrem Gesang übrigens auch Flügelhorn spielt, tanzen auch die Letzten im Publikum. Die gemeinsame Bühnenchemie der Geschwister ist einer dieser Momente, die man erlebt haben muss.

Auch Ashlee bekommt mit „Day Drinking“ ihren großen Moment und singt den Song ebenfalls mit einer gehörigen Portion Soul. Bei „Cooee“ sorgen Alice’s Lead Vocals und die Gesangsharmonien für Gänsehaut. „Not Afraid“ lässt die Band mit treibenden Balkan-Jazz-Elementen noch einmal richtig abgehen und reißt das Publikum mit, während Reuben beim ebenso energiegeladenen „Eyes Like That“ mit hervorragenden Lead Vocals glänzt.

Und dann ist da noch „Black Cat“, ein von einem virtuos im Balkan-Stil gespielten Saxofon dominiertes Stück. Irgendwann schwingt Matty seine Perlenkette wie ein Lasso über dem Kopf. Bühnenshow und Musik verschmelzen zu einem einzigen herrlich absurden Moment.

Harald Capek

Und nach dem Konzert ist noch lange nicht Schluss

Vier Bandmitglieder leben mittlerweile in Melbourne, vier in Sydney – trotzdem ist an diesem Abend spürbar, wie viel Freude die acht daran haben, gemeinsam unterwegs zu sein. Matty erzählt, dass sie gern nach Augsburg gekommen seien, um hier abzuhängen. Und tatsächlich wirkt Ukulele Death Squad nicht wie eine Band, die nach ihrem Auftritt möglichst schnell wieder verschwinden möchte.

Am Ende des Konzerts bedankt sich Steph bei Manfred Hörr, dem Vorsitzenden des Karman e.V., der selbst tatkräftig vor Ort ist, sowie bei dessen Frau Elena Hörr, die am Mischpult für einen makellosen Sound gesorgt hat. Die Besucherinnen und Besucher feiern die Band begeistert ab, doch es ist 22 Uhr, und die Zugabe muss ausfallen.

Auch nach der Show bleiben die Australier nahbar. Am Merch-Tisch nehmen sie sich Zeit für Fotos, Autogramme und Gespräche mit ihren Fans. Matty entdeckt im Publikum etliche Leute, die bereits bei anderen Auftritten der diesjährigen Tour dabei waren. Manche Fans reisen der Band offenbar hinterher.

Nach diesem Abend kann ich das gut verstehen.

Ukulele Death Squad liefert nicht einfach ein Konzert ab. Diese Band verbindet technische Virtuosität mit Humor, Showtalent, musikalischer Vielfalt und ansteckender Spielfreude. Eine Combo, bei der man ständig das Gefühl hat, etwas zu verpassen, wenn man nur für einen Moment nicht hinschaut.

Wenn Ukulele Death Squad das nächste Mal in eurer Gegend auftaucht, geht hin. Wirklich. Ich habe sie jetzt zweimal erlebt – und beide Male war ich danach überzeugt, dass man diese Band nicht oft genug live sehen kann.

Fotos: Harald Capek

Karman e.V. veranstaltet auch in den kommenden Wochen wieder Konzerte in Augsburg, u. a. am 24. September in der Ballonfabrik mit The Goho Hobos und der KUKI-Band The Creeping Candies. Alle Termine unter karman-ev.de.

*Das Beitragsbild zeigt Ukulele Death Squad in den Umkleidekabinen des Freibads Lechhausen; von links: Reuben, Ben, Ashlee, Ignacio, Julian, Matty, Alice und Steph.


Benny Lück

Als ich zur Welt kam, grüßte Desmond Dekker mit „Israelites“ von Platz eins der deutschen Charts, 38 Tage später begann das Woodstock-Festival – musikmäßig ging’s also schon mal ganz gut los. Meine weitere musikalische Sozialisation ist schnell erzählt: leiernde Kassetten, Disco, Schlager der Woche, „TNT“ in brüllender Lautstärke auf dem Jungsklo der Hauptschule, bis der Hausmeister dem Spuk ein Ende setzte – so was eben. Heute schraddle ich auf meiner Larrivée L-03. Nicht auf irgendwelchen Bühnen, nur bei uns zu Hause, weshalb mich meine Frau auch schon als „Sofagitarrist“ bezeichnet hat. Und ich darf für den KUKI Express schreiben. Toll!



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