Nadja Hadek

Booking (Teil 1): Seid ihr bereit? Der ehrliche Selbstcheck vor dem ersten Gig

Bandwissen Booking KUKI e.V.

Gefühlt jammert gerade jede Band, dass Booking immer schwieriger wird und immer mehr Zeit frisst. Ihr schreibt fünf Veranstalter an und steht am Ende mit einer halben Zusage da. Wie kommt man als Newcomer-Band da überhaupt an Gigs?

Genau darum geht es in dieser Serie: Wir nehmen euch mit auf den Weg von der Probe auf die Bühne – von der Frage, ob ihr grundsätzlich bereit seid, über ein überzeugendes Künstlerprofil und den richtigen Kontakt zu Veranstaltern bis hin zu Verträgen, Gagen und der letzten Vorbereitung vor dem großen Tag.

Los geht’s mit dem ersten und vielleicht wichtigsten Schritt: dem ehrlichen Blick auf euch selbst.

Ihr probt seit Monaten. Die Songs sitzen. Alle in der Band ziehen mit. Irgendwie fühlt es sich an, als könnte es losgehen – aber irgendwie auch nicht. Willkommen im Club. Die meisten Newcomer-Bands hängen irgendwann in genau dieser Schwebe fest: zwischen „Wir brauchen noch ein bisschen“ und „Wann, wenn nicht jetzt?“

Was „bereit“ wirklich bedeutet

Spoiler: Es gibt keinen perfekten Moment. Keine Band ist jemals zu 100 Prozent fertig. Aber es gibt einen Punkt, ab dem ihr mit einem vernünftigen Ergebnis auftreten könnt. Diese Auftrittsreife hängt ab vom Repertoire, von der Technik und vom Kopf.

Repertoire: Wie viele Songs braucht ihr?

Für einen ersten Auftritt in einem Club oder bei einem Open-Stage-Format reichen oft 15 bis 20 Minuten – bei rund fünf Minuten pro Song, inklusive kurzer Ansagen und etwas Puffer für Applaus, sind das drei bis vier Titel. Für ein komplettes Konzert braucht es deutlich mehr: Ein typisches 45-Minuten-Set bedeutet etwa neun Nummern, ein 60-Minuten-Set entsprechend rund zwölf.

Wichtig dabei: Das Set muss nicht nur existieren – es muss sitzen. Das heißt, ihr spielt die Songs nicht nur fehlerfrei durch, sondern könnt sie auch dann bringen, wenn ihr aufgeregt seid, der Monitor schlecht klingt oder jemand im Publikum euch ablenkt. Was im vertrauten Proberaum klappt, muss auch unter Druck auf der Bühne klappen.

Ein einfacher Test: Spielt euer Set einmal komplett durch, ohne anzuhalten – egal was passiert. Wenn das funktioniert, seid ihr näher dran, als ihr denkt.

Technik: Habt ihr das nötige Equipment?

Ihr benötigt keine High-End-Ausrüstung. Eine solide Grundausstattung genügt für den Anfang.

Ein paar Grundfragen:

  • Besitzt ihr livetaugliche Instrumente?
  • Habt ihr geklärt, wer welches Equipment mitbringt?
  • Braucht ihr eigene Verstärker oder stellt alles die Venue?
  • Habt ihr ausreichend Kabel, Ersatzsaiten, Ersatzsticks etc.?
  • Gibt es in eurer Band jemanden, der mit Bühnentechnik umgehen kann?

Die meisten Venues für Newcomer stellen eine Grundausstattung – verlassen könnt ihr euch darauf allerdings nicht. Ein eigener kleiner Technikcheck vor dem Booking erspart euch später Stress.

Wie andere Musikerinnen und Musiker ihre Technik-Basics organisieren – von beschrifteten Kabeltrommeln bis zum Ersatzplektrum – lest ihr in Band-Basics (1): Was wirklich zählt – Organisation im Bandalltag.

Kopf: Seid ihr mental bereit?

Lampenfieber ist normal und geht bei den meisten irgendwann weg. Ihr dürft euch davon nicht aus der Bahn werfen lassen. Wenn man weiß, dass man in den ersten dreißig Sekunden auf der Bühne komplett erstarrt, dann aber wieder funktioniert, ist das okay. Wer Angst hat, nach einem schlechten Gig nie wieder auftreten zu wollen, sollte vielleicht zunächst ein paar Mal vor kleinem, vertrautem Publikum spielen.

Nadja Hadek Teilnehmer beim Nachwuchsband-Festival 2025

Tipp: Formate wie KUKI YourStage! oder KUKI sucht die Nachwuchsbands geben euch die Möglichkeit, erste Bühnenerfahrungen in einem sicheren Rahmen zu sammeln – ohne den Druck einer kompletten Eigenveranstaltung.

Wie intensiv man sich mit dem eigenen Lampenfieber auseinandersetzen kann, zeigt Sabrinas Erfahrungsbericht – ehrlich, persönlich und mit vielen Tipps aus erster Hand.

Auch das, was eine Band über die Bühne hinaus zusammenhält, spielt eine Rolle: mehr dazu in Band-Basics (3): Präsenz, Grenzen, Reflexion.

Konzentriert euch auf einen einzelnen Auftritt

Newcomer neigen dazu, sich zu viel auf einmal vorzunehmen. Eine kleine Tour mag verlockend klingen – aber sie bedeutet mehrere Locations, mehrere Anfahrten, vielleicht Übernachtungen, und an mehreren Tagen in Folge muss die Band auf den Punkt liefern. Das ist ein ganz anderer Sport als ein einzelner Gig.

Startet lieber mit einem Datum und einer Location. Der Vorbereitungsaufwand bleibt überschaubar, und ihr könnt viel lernen, ohne euch gleich zu überfordern. Für den Anfang gilt fast immer: Ein einzelner Gig in der eigenen Stadt ist mehr wert als mehrere Auftritte, die ihr euch zu früh vorgenommen habt. Die Mini-Tour kommt später von ganz allein – wenn ihr so weit seid.

Die häufigsten Fehler

Beim ersten Booking schleichen sich immer wieder folgende Fehler ein:

Zu wenig Repertoire, zu früh gebucht. Drei Songs reichen nicht für einen Abend. Plant lieber länger und habt am Ende mehr Material, als ihr braucht.

Kein Back-up-Plan bei Ausfällen. Was passiert, wenn ein Bandmitglied krank wird? Wenn ihr das noch nie besprochen habt, ist jetzt ein guter Zeitpunkt.

Unrealistische Erwartungen ans Publikum. Am Anfang werden vermutlich keine Massen zu euch strömen – und das ist okay. Geht mit dem Ziel rein, etwas zu lernen, nicht mit dem Ziel, zu beeindrucken.

Die Technik unterschätzen. Ein Soundcheck braucht Zeit. Wer erst zehn Minuten vorher aufschlägt, hat ein Problem.

Kein Setlist-Management. Überlegt euch nicht nur, welche Songs ihr spielt, sondern auch in welcher Reihenfolge und warum. Ein gut strukturiertes Set macht einen großen Unterschied.

Selbstcheck: 10 Fragen vor dem ersten Booking

Beantwortet diese zehn Fragen so ehrlich wie möglich, bevor ihr damit anfangt, Venues anzuschreiben:

  1. Haben wir genug Songs für ein Set der geplanten Länge – und sitzen sie wirklich?
  2. Können wir das Set durchspielen, ohne anzuhalten – auch wenn etwas schiefgeht?
  3. Haben wir das nötige Equipment und wissen wir, wer was mitbringt?
  4. Gibt es in unserer Band jemanden, der Bühnentechnik grundlegend versteht?
  5. Haben wir schon einmal vor Publikum gespielt – auch wenn es nur Freunde waren?
  6. Wissen alle Bandmitglieder, was auf sie zukommt, und sind alle dabei?
  7. Haben wir einen Plan, wenn jemand kurzfristig ausfällt?
  8. Haben wir schon mal ein Format wie KUKI YourStage! genutzt, um Bühnenluft zu schnuppern?
  9. Haben wir ein Bandkonto oder zumindest eine Absprache, wie wir mit Ausgaben und Einnahmen umgehen?
  10. Wissen wir, was ein Electronic Press Kit ist – und haben wir eins?

Könnt ihr bei den meisten Punkten mit einem klaren Ja antworten? Dann seid ihr bereit.

Nadja Hadek Dracu bei KUKI YourStage! im Bombig

Was kommt als Nächstes?

Das Booking-Handwerk beginnt nicht mit der ersten Anfrage an eine Venue – es beginnt damit, dass ihr wisst, wer ihr seid und was ihr anbietet. Im nächsten Teil der Serie schauen wir uns genau das an: Wie ihr euch und eure Musik so präsentiert, dass Veranstalter euch ernst nehmen – mit einem überzeugenden Electronic Press Kit (EPK), einer Biografie, die tatsächlich gelesen wird, und dem richtigen Onlineauftritt.

Teil 2: Dein Aushängeschild – EPK & Künstlerprofil erscheint demnächst im KUKI Express.

* Das Beitragsbild zeigt PAN!C, eine junge Hard-’n’-Heavy-Coverband aus Schwabmünchen.


Benny Lück

Als ich zur Welt kam, grüßte Desmond Dekker mit „Israelites“ von Platz eins der deutschen Charts, 38 Tage später begann das Woodstock-Festival – musikmäßig ging’s also schon mal ganz gut los. Meine weitere musikalische Sozialisation ist schnell erzählt: leiernde Kassetten, Disco, Schlager der Woche, „TNT“ in brüllender Lautstärke auf dem Jungsklo der Hauptschule, bis der Hausmeister dem Spuk ein Ende setzte – so was eben. Heute schraddle ich auf meiner Larrivée L-03. Nicht auf irgendwelchen Bühnen, nur bei uns zu Hause, weshalb mich meine Frau auch schon als „Sofagitarrist“ bezeichnet hat. Und ich darf für den KUKI Express schreiben. Toll!



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