Wie behält man als Drummer Tempo, Songstruktur, Click und MIDI im Griff, ohne beim Spielen ständig mitorganisieren zu müssen? Schlagzeuger und Entwickler Andreas Schweiger stellt DSM-Pure vor – eine App, die den Workflow von der Probe über das Studio bis zur Bühne durchgängig begleitet.
Als Drummer kenne ich das Problem seit über 40 Jahren aus erster Hand: Man steht auf der Bühne, der nächste Song beginnt in wenigen Sekunden, und man kramt gedanklich noch nach dem Tempo, der Songstruktur oder dem richtigen Patch für den Click. Genau aus diesem Alltag heraus ist DSM-Pure entstanden – die komplette Neuentwicklung meiner App „Drumsetlist Manager“ in Swift/SwiftUI für iPhone, iPad und Apple Watch. Der Grundgedanke ist einfach geblieben, auch wenn die App technisch komplett neu gebaut wurde: Die Technik soll sich um Tempo, MIDI und Songreihenfolge kümmern, damit ich mich ums Spielen kümmern kann. Wie das im Detail aussieht, zeigt sich am besten an den drei Orten, an denen ich als Musiker unterwegs bin: Bühne, Übungsraum und Studio.

Auf der Bühne
Im Live-Einsatz zeigt sich der Kern der App: Songs werden als „Presets“ angelegt und zu „Chains“ – also kompletten Sets für einen Gig oder eine Probe – zusammengestellt. Auf der Bühne selbst übernimmt ein eigens dafür gebauter Stage-Screen: große, gut lesbare Elemente, Songreihenfolge und Tempo auf einen Blick sowie Lyrics und Songstruktur zum Mitscrollen, falls man sie braucht.
Der Wechsel zwischen Songs funktioniert handsfree – über Fußschalter wie den AirTurn oder das iRig BlueBoard oder direkt über die Apple Watch am Handgelenk, ganz ohne dass man das Telefon oder das iPad anfassen muss. Wer mit In-Ear-Click und MIDI-gesteuerten Backing-Tracks arbeitet, profitiert zusätzlich von der MIDI-Program-Change-Anbindung: Die App schaltet die passenden Sounds und Tempi automatisch mit, sodass man zwischen den Songs den Blick nicht vom Publikum nehmen muss – ein Detail, das bei drei oder vier Songs pro Set kaum auffällt, bei einem zweistündigen Programm mit häufigen Wechseln aber den entscheidenden Unterschied macht. Die App kann auch das aktuell gespielte Tempo messen und anzeigen, ob der Drummer zu schnell oder zu langsam ist.

Beim Üben
Der zweite große Bereich ist der Practice Manager (den gibt’s im Moment nur in der alten Version „Drumsetlist Manager“; er wird jedoch bald auch in DSM-Pure umgesetzt). Hier geht es nicht ums Auftreten, sondern ums Besserwerden: Rudiments, Timing und ungerade Taktarten lassen sich gezielt trainieren, unterstützt durch das eingebaute framegenaue Metronom mit visueller LED-Anzeige, das auch bei sehr langsamen oder sehr schnellen Tempi noch präzise bleibt. Auch die eigene Songbibliothek lässt sich analysieren – die App ermittelt automatisch die BPM importierter Stücke, sodass man beim Einstudieren neuer Songs nicht erst mühsam das Tempo von Hand herausfinden muss, sondern gleich mit dem richtigen Click loslegen kann. Wer regelmäßig übt, merkt schnell, dass genau diese kleinen Reibungsverluste – Tempo suchen, Struktur nachschlagen – oft mehr Zeit kosten als das eigentliche Spielen.

Im Studio
Beim Aufnehmen zählt vor allem eines: ein sauberes, verlässliches Timing. DSM-Pure liefert dafür einen ruhigen, präzisen Click und lässt sich über MIDI mit anderem Equipment synchronisieren. So können Tempowechsel innerhalb eines Songs automatisch übernommen werden, anstatt sie von Hand am Interface einzustellen. Wer im Studio mehrere Takes oder ganze Songabläufe mit unterschiedlichen Tempi und Patterns durchgeht, kann auf dieselbe Preset- und Chain-Logik zurückgreifen wie live auf der Bühne oder beim Üben – ein Workflow, drei Einsatzorte, keine doppelte Arbeit beim Anlegen der Songs.

Die Apple Watch als zweites Cockpit
Besonders praktisch im Alltag ist die Apple-Watch-Begleit-App: Die Setlist ist am Handgelenk verfügbar, Click und Audio lassen sich direkt umschalten, die Lautstärke steuert man bequem über die Digital Crown, und eine sogenannte Complication zeigt den aktuellen Song bereits auf dem Zifferblatt an, noch bevor man die App öffnet. Gerade wenn beide Hände an den Sticks sind, ist das die schnellste Möglichkeit, kurz nachzusehen oder umzuschalten, ohne das Telefon in die Hand nehmen oder gar das Spielen unterbrechen zu müssen – ein kleines Feature, das sich im Bandalltag aber bezahlt macht.
Warum sich das lohnt
Die Stärke von DSM-Pure liegt für mich genau in dieser Durchgängigkeit: dieselbe Setlist, dieselben Presets; egal, ob ich zu Hause übe, im Studio aufnehme oder live auf der Bühne stehe. Nichts muss doppelt gepflegt werden, und der Kopf bleibt frei für das, worauf es eigentlich ankommt – das Zusammenspiel mit der Band. Und weil ich die App als Drummer selbst täglich nutze und laufend weiterentwickle, fließen die Erfahrungen aus meinem Bandalltag direkt in die nächste Version ein. Wer neugierig geworden ist: Ich freue mich über Fragen, Feedback und alle, die DSM-Pure ausprobieren möchten.
Über den Autor
Andreas Schweiger ist seit über 40 Jahren Drummer und spielt aktuell bei Real Deal und Mental Season. Neben der Musik programmiert er iOS-Apps für Musiker. DSM-Pure ist sein aktuelles Herzensprojekt, in dem beide Leidenschaften zusammenkommen.

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