„A Tribute to Gary Moore“ mit Siggi Schwarz & friends im Spectrum Club Augsburg – ein ganz besonderer Leckerbissen für alle Gitarren-Enthusiasten!
Wer Rock- und Bluesgitarre mag und speziell den warmen, druckvollen und sustainreichen Sound einer Gibson Les Paul, kommt an Gary Moore nicht vorbei! Der aus Belfast/Nordirland stammende Gitarrist, Komponist und Sänger gilt als einer der talentiertesten und emotionalsten Gitarrenvirtuosen der Rockgeschichte. Moores Karriere spannte sich über mehr als vier Jahrzehnte und zeichnete sich durch extreme stilistische Vielfalt aus, zu der auch Jazzfusion und Hardrock gehörten. Ab 1989 widmete er sich dem Blues, und mit „Still got the Blues“ stürmte er sogleich die Charts. Gary Moores unverwechselbarer Ton basiert auf einer der legendärsten Kombinationen der Rockgeschichte: einer speziellen Gibson-Les-Paul-Gitarre und laut aufgedrehten Marshall-Verstärkern. Die Gitarre ist berühmt für ihren nasalen Out-of-Phase-Sound in der Tonabnehmer-Mittelposition, der durch einen werkseitig verdrehten Magneten im Hals-Tonabnehmer entsteht, und sie nennt sich „Greeny“ nach ihrem ersten berühmten Besitzer, nämlich Peter Green, dem Mitbegründer von Fleetwood Mac.

Leider ist Gary Moore viel zu früh verstorben, bereits im Alter von nur 58 Jahren. Doch glücklicherweise gibt es weitere „Gitarrenhelden“, die Gary Moores legendäre Spieltechniken samt seiner einschlägigen Rock- und Bluesnummern hervorragend in Szene setzen können. Und dazu gehört der weithin bekannte Gitarrist, Musikproduzent und Konzertveranstalter Siggi Schwarz! Seine musikalische Inspiration als Gitarrist bekam er im Jahr 1976, als er 18-jährig ein Konzert von Gary Moore mit dessen damaliger Band Colosseum II in Neu-Ulm besuchte und ihn zwei Jahre später auf der Frankfurter Musikmesse persönlich kennenlernen durfte. Im Jahr 2008 organisierte er als Konzertveranstalter in seiner Heimatstadt Heidenheim einen Auftritt für sein Idol. Und nach Moores tragischem Ableben im Jahr 2011 produzierte Siggi Schwarz zusammen mit berühmten Mitstreitern ein Tribute-Album namens „Still Got The Blues (A Tribute to Gary Moore)“und arrangierte und spielte dazu 14 Songs der Gitarren-Ikone ein. Somit allerbeste Voraussetzungen für den verheißungsvollen Gary-Moore-Tribute-Abend in der bekannten Live- und Partylocation Spectrum Club Augsburg, welche übrigens auch mit dem Bombig respektive KUKI e. V. assoziiert ist (vgl. dazu nochmals speziell unseren Konzertbericht „The Zac Schulze Gang“ und KUKI-Band „Clemens Beisch & Rory’s Heritage“ im Spectrum“.)




Am vergangenen Donnerstag (24.9.2026) war es dann so weit, ich freute mich schon seit geraumer Zeit auf diesen besonderen Konzertabend! Entgegen meinen Gepflogenheiten kam ich schon etwas früher ins Spectrum, um in Ruhe das interessante Equipment auf der Bühne zu checken. Da standen sie also, die Greeny mit ihrer verblassten Cherry-Sunburst-Lackierung nebst einer Ersatz-Les-Paul, der Marshall-Amp bzw. zumindest die Lautsprecherbox, und dazu ein puristisches Effekt-Sortiment insbesondere mit Booster und Overdrive, so wie es Gary Moore einst auch benutzte. Also alles bereitet, wie es sein muss. Pünktlich um halb neun betraten die Musiker die Bühne, nämlich Siggi Schwarz (Guitar) mit seinen „friends“, die da sind Tom Cròel (Vocals – Mitstreiter beim Tribute-Album), Max Hunt (Keyboards – aus London, spielte mit YES, Marillion), Danny O’Steen (Bass – aus Detroit/USA) und als große Überraschung, da anders als in der offiziellen Besetzungsliste angekündigt, ein Schlagwerker aus Augsburg, nämlich Maximilian „Maxx“ Hertweck (Drums). Vielen Einheimischen und Musikkennern ist er sicherlich gut bekannt, seitdem er 2018 mit der Band Darkness Light reüssierte und sogleich den „Deutschen Rock+Pop Preis 2018“ für das beste Rockalbum gewann. Inzwischen ist er Berufsschlagzeuger in diversen Bands sowie Schlagzeuglehrer in seinem „Schlagzeugzentrum Maxx“ in Augsburg.





Dieses hochkarätige Line-up um Siggi Schwarz legte also los, nämlich mit dem Opener „Midnight Blues”, und sogleich sprang der „Gary Moore-Funke“ auf das Publikum über! Es folgten weitere Bluesnummern, aber auch Rocker, Hymnen und Balladen, also „Since I met you Baby”, „Oh Pretty Woman”, „Walkin‘ by myself”, „The Sky is crying”, „King of the Blues”, „Further on up the Road”, „Story of The Blues”, Over the hills an far away“, „Don’t believe a word”, „Parisienne walkways”, „Cold day in Hell” und „The Blues is alright”. Selbstverständlich auch der Welthit „Still got the Blues”, zudem mein persönlicher Favorit „Empty Rooms”, wobei ich allerdings etwas vermisste … (dazu noch später). Es war beeindruckend, wie originalgetreu Siggi die Spieltechniken Moores darbot, also die intensiven Bendings und Pre-Bends, das kraftvolle Rock-Vibrato, die flüssigen Läufe mit superschnellen Anschlagtechniken oder reine Legato-Passagen auf einer Saite, zudem die Wechsel von Dynamik und Pausen, bei denen immer wieder das scheinbar unendliche „Greeny-Sustain“ zelebriert wurde.







Die Band sorgte für ein solides Fundament, und Sänger Tom veredelte mit seiner kraftvollen und wandelbaren Stimme sowie der überzeugenden Ausstrahlung die Mooreschen Gesangspassagen. Insofern sehr passend, dass Siggi in seiner sympathischen Ansprache ans Publikum betonte, dass er und die Band Gary Moore nicht covert, da unmöglich, aber nach besten Kräften interpretiert!

Davon wollte man nicht genug haben, und so ließen sich Siggi Schwarz & friends vom jubelnden Publikum noch einige Zugaben abringen, wobei gerade die Schlussnummer „The Messiah will come again“ eine Besonderheit aufweist, so die Ansage von Siggi: Es ist ein Instrumentalstück, komponiert vom amerikanischen Gitarristen Roy Buchanan, den Gary neben Eric Clapton und Peter Green sehr verehrt hat. Er hat diese Nummer allerdings nur einmal live zum Besten gegeben, und zwar bei seinem legendären Konzert 1990 in Montreux. – Insofern im Spectrum nun ein weiteres Mal … 😉 Zudem möchte man hoffen, dass der „Gitarren-Messiah“ Siggi Schwarz und seine friends bald wieder nach Augsburg kommen! 😊

Im Nachgang zum Konzert habe ich mich mit Siggi noch per Kurzinterview ausgetauscht. Hier meine Fragen und seine Antworten:
Hallo Siggi, vielen Dank für eure großartige Darbietung! Ich habe mir im Vorfeld das Equipment genauer angeschaut. Deine Les Paul ist vorbildgetreu eine „Greeny“, natürlich eine hochwertige Replik. Um welches Modell und welchenJahrgang handelt es sich genau?
Siggi: Es ist eine Gibson Les Paul aus dem Custom Shop, handgefertigt 2001 vom Custom Shop Chef Tom Murphy in Nashville.
Dein Amp guckt zwar baulich aus wie ein Marshall, ist aber ein „Lenz“. Warum diese Variation, und welche Vorteile gibt es?
Siggi: Die Firma Lenz Amplification GmbH wurde 2021 von dem jungen Verstärker-Bauer Eddy Lenz aus Waiblingen zusammen mit mir und einem weiteren Gesellschafter gegründet. Es ist ein 100-Watt-Topteil, handverlötet, wie die 60er-Jahre Plexi Marshalls, hat aber zusätzliche eine geniale Röhren-Verzerrungsstufe eingebaut. Gary hätte seine Freude daran!
So wie ich Freude an deiner beeindruckenden Spieltechnik und dem Feeling habe! Ich habe keinen Unterschied zu Gary Moore erkannt – bis auf einen: es fehlten die Violinen-Effekte, gerade bei „Empty Rooms“. Die sind äußerst schwierig zu spielen, so meine eigenen bescheidenen Erfahrungswerte [Anm.: Zur Erzeugung dieser anschwellenden Töne wird eine Saite angeschlagen, während das Volume-Poti komplett geschlossen ist, unmittelbar danach dreht man den Regler mit dem kleinen Finger der Anschlagshand auf. Die Schwierigkeiten sind das Timing und die Erreichbarkeit des Potis, gerade bei einer Les Paul]. Wie verhält es sich nun bei dir?
Siggi: Ah ja, die Violinentöne habe ich gar nicht eingesetzt. Für mich jedoch ein Leichtes.
O.k., dann bitte beim nächsten Mal! Noch eine Frage zur Band: Offenbar habt ihr das Line-up kurzfristig geändert, im Programm stand „Steve Cobey, Drums – aus USA/Kalifornien“, der Drummer auf der Bühne wurde von dir jedoch als der Augsburger Maxx Hertweck vorgestellt. Wieso kam es zu diesem Wechsel?
Siggi: Anscheinend ein redaktioneller Fehler. Maxx Hertweck spielt bereits seit Juni 2024 mit mir und in meinen verschiedenen Bands. Ja, er ist Augsburger, und zudem ein junges Talent.
Passend dazu die Abschlussfrage: Wann kommt ihr wieder einmal nach Augsburg?
Siggi: Ich bin mit „Siggi Schwarz – The Music of Santana“ am Sonntag, 14. März 2027, wieder im Spectrum!
Prima, ich danke dir vielmals, euch eine weiterhin erfolgreiche Tour, und dann bis spätestens nächstes Jahr!
Detaillierte Informationen zu Siggi Schwarz und seinem umfangreichen Wirken (er kann also auch Carlos Santana spielen und vieles mehr) gibt es unter: www.siggi-schwarz.de

Jochen „Joe“ Cantner
Der Name Jochen Cantner steht für die breiten Themenfelder Natur, Umwelt und Kultur. Und unter seinem Künstlernamen Joe widmet er sich insbesondere dem Kulturgut Musik. Über die Blockflöte im Kleinkindalter näherte er sich diesem Metier zaghaft an, mitunter widerwillig. Der Durchbruch aber kam als Teenager, als er die Beatles im Fernsehen zu sehen und hören bekam – allerdings mit dem Schönheitsfehler, dass es diese fabelhafte Band da schon nicht mehr gab. Dennoch blieb er an der Gitarrenmusik hängen, spielte dann selbst in einigen unbedeutenden Augsburger Bands und Session-Formationen. Heute ist er noch immer fasziniert von Gitarrenheld*innen sowie Pop- und Rockmusik, mag aber die gesamte Vielfalt der Musikgenres. In seiner Betätigung als Publizist freut er sich, die Musikervereinigung KUKI e.V. redaktionell unterstützen zu können!

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